
Wie gewöhnt man einen Hund das bellen ab?
Wir haben ja schon oft in meiner Facebook Gruppe darüber geredet, was man machen kann, dass der Hund nicht mehr bellt.
Also …klar….irgendwo darf der Hund natürlich auch mal bellen, ist ja „hündisch“, aber wir reden hier eher von diesen extremen Gekläffe, wenn ein anderer Hund kommt, es klingelt oder der Hund im Garten ist.
Vermutlich habt ihr auch schon mitbekommen, dass es bei mir niemals solche Empfehlungen gibt wie „ spritze ihn mit Wasser nass“ oder ….noch schlimmer….sowas wie auf den Boden drücken, anschreien oder Klapperdosen werfen.
Obst ihr es glaubt oder nicht, diese Methoden sind immer noch Gang und Gebe und werden als absolut legitim verbreitet. Sehe ich auch in Social Media. Wenn ein Hund irgendwo ein Problem mit Bellen hat, dann kommen immer hunderte von Antworten, wo Wasserpistole und Klapperdosen empfohlen werden.
Irgendwie setze ich mit meiner Hundeerziehung immer anders an als die meisten.
Habt ihr mal überlegt, was das mit euren Hund macht? Solche Methoden zerstören absolut das Vertrauen. Ein Vertrauen, welches sowieso vermutlich nur noch minimal vorhanden ist, denn wenn euer Hund vertrauen würde, hätte er gar nicht erst mit Bellen anfangen.

Was kann ich also nun gegen das Bellen beim Hund machen?
Die Basis für weniger Bellen beim Hund setzt viel früher an, als die diversen Übungen, die man….je nach Situation….unternehmen kann.
Zunächst ist es wichtig, dass Dein Hund überhaupt eine Idee entwickelt, wie er zur Ruhe kommen kann.
Wenn Du nicht genau weißt, was Ruheübungen sind oder wie Du als Einsteiger damit beginnen kannst, empfehle ich Dir mein
Ruhe Übungen sind einfach die absolute Basis dafür, wenn Du beginnen möchtest, am übermäßigen Bellen Deines Hundes zu trainieren.
Aber auch hier im Blog findest Du gute Beiträge, welche Dir schon mal ein wenig weiterhelfen:
Wie gewöhne ich meinen Hund das „nach vorne gehen“ ab
Ruhe und Ordnung, warum das so wichtig ist und warum man Ruhetraining am besten von Anfang an macht.
Für die Dackelbesitzer hier im Blog gibt es noch den Beitrag
Reaktiver Dackel und Dackel bellt immer, dort geht es etwas spezieller noch um die Dackeleigenschaften und den speziellen Dackelcharakter.
Wenn ihr diese Beiträge mit diesen Beitrag zusammen lest, dann habt ihr schon mal ein gutes Grundwissen, was in euren Hund vorgeht, wenn er viel bellt. Ihr wisst ja, dass ich viel Wert auf
Was geht in einen Hund vor, der in jeder Situation bellt?
Ein Hund, der viel bellt, am Gartenzaun kläfft und bei jeden Spaziergang zum Leinenrambo wird, dem fehlt das Vertrauen und innere Gelassenheit.
Wie oben gesagt, die Sache mit der Gelassenheit trainiert ihr Schritt für Schritt, denn Gelassenheit ist vielen Hunde, je nach Rasse und Vorgeschichte, nicht unbedingt in die Wiege gelegt.
Wie bekommt mein Hund Vertrauen, damit er nicht mehr soviel bellt?
Jetzt müssen wir uns erstmal überlegen, wieviel unserer Hund zum jetzigen Zeitpunkt vertraut.
Beantworte Dir mal gedanklich folgende Fragen
Kann er gut anleine bleiben?
Bleibt er gelassen liegen, wenn Du vom Sofa aufstehst oder im Haus hin und her läuft?
Kannst Du ihn in der Fremde gut alleine lassen, ohne dass er rumjammert?
Wenn es bei euch klingelt, bleibt er liegen und lässt Dich alleine zur Tür?
Wenn Du nach Hause kommst, bleibt er dann ruhig und entspannt und sagt freundlich „Hallo“ ohne auszuflippen?
Wenn Du alle Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, dann vertraut Dein Hund Dir schon echt gut und Du hast gute Chancen, das Problem mit dem „Bellen“ gut und schnell in den Griff zu bekommen.
Wenn genau hier, also beim Vertrauen, eure Baustellen sind, dann hab ich Dir ein paar PDFs zusammengestellt, welche Du direkt herunterladen kannst
Die B Formel Hundeerziehung über Bindung und Vertrauen
und spezieller für Dackelbesitzer das PDF
Bindung, Beziehung und Vertrauen zu Deinem Dackel
Unsre Ausgangsfrage in diesen Beitrag war ja „warum ein Training gegen das Bellen nichts nützt“
Die meisten Menschen kommen zu mir, wenn das Bellen schon nervt. Sie haben ein Anti-Bell-Halsband probiert, eine Ultraschall-App, vielleicht einen Online-Kurs, der verspricht, das Bellen in sieben Tagen abzustellen. Und beim nächsten Hund, der auf dem Spaziergang von vorn kommt, ist alles wieder da.
Das liegt nicht an zu wenig Konsequenz und auch nicht am Hund. Es liegt daran, dass an der falschen Stelle angesetzt wird. Wer Bellen abtrainieren will, ohne vorher an Vertrauen, Bindung und innerer Ruhe zu arbeiten, behandelt ein Symptom und wundert sich, dass die Ursache bleibt.
Bellen ist ein Symptom, keine Unart
Bellen ist Kommunikation, kein technischer Defekt, den man per Knopfdruck abstellt. Péter Pongrácz und Kollegen vom Budapester Ethologie-Institut haben in mehreren Playback-Studien gezeigt, dass Hundebellen je nach Situation akustisch deutlich verschieden klingt. Menschen können allein am Klang zuverlässig heraushören, ob ein Hund gerade einen Fremden anbellt, allein gelassen wurde oder spielt, und welche Emotion dahintersteckt [1].
Ein Hund, der einen herannahenden Artgenossen anbellt, ist erregt. Oft angespannt, manchmal unsicher, manchmal in heller Aufregung. Das Bellen ist der hörbare Teil eines inneren Zustands. Wer nur den Ton abdreht, lässt diesen Zustand unberührt.
Genau hier scheitern aversive Werkzeuge. Übersichtsarbeiten zu Anti-Bell-Halsbändern zeigen, dass solche Geräte das Verhalten zwar unterdrücken können, die eigentliche Ursache aber nicht berühren und das Stresslevel eher anheben [2]. Ein Hund, der unter Strafreizen mehr Angst bekommt, bellt im Zweifel nicht weniger. Er bellt anders, oder er verlagert die Anspannung auf ein neues Problemverhalten.
Der Hund bellt, weil er glaubt, er muss
Hier wird es spannend, und hier liegt der Kern meiner Arbeit seit über dreißig Jahren. Lisa Horn, Ludwig Huber und Friederike Range haben am Wiener Clever Dog Lab den sogenannten Secure-Base-Effekt bei Hunden belegt [3]. Kurz gesagt: Hunde nutzen ihren Menschen als sichere Basis, ganz ähnlich wie kleine Kinder ihre Bezugsperson. War der Besitzer anwesend, haben die Hunde im Test mehr ausprobiert, mehr manipuliert, mehr Selbstvertrauen gezeigt. War er weg, ließ die Motivation nach. Ein fremder Mensch konnte das nicht ersetzen. Der Effekt war an die eigene Bezugsperson gebunden.
Übertragen auf den Spaziergang heißt das: Ein Hund, der seinem Menschen wirklich vertraut, muss die Lage nicht selbst klären. Er kann die Verantwortung abgeben. Genau dieses Vertrauen fehlt vielen bellenden Hunden. Sie haben gelernt, dass sie auf sich allein gestellt sind. Wenn vorn ein anderer Hund auftaucht, denkt so ein Hund sinngemäß: „Ich muss das jetzt regeln, sonst regelt es keiner.“ Das Bellen wird zur Eigeninitiative, weil der Mensch in der Wahrnehmung des Hundes die Sache nicht in der Hand hat.
Vertrauen heißt nichts anderes, als dass mein Hund sich darauf verlässt, dass ich die Umwelt einschätze und kläre. Dass ich rechtzeitig reagiere, Abstand schaffe, eine Entscheidung treffe. Ein Hund, der das erlebt hat, oft genug und verlässlich, gibt das Bellen nach und nach ab. Nicht weil ich es ihm verboten habe, sondern weil er es nicht mehr braucht.
Ohne Ruhe entsteht kein Vertrauen
Jetzt kommt der Teil, den fast alle Anti-Bell-Programme überspringen. Vertrauen kann ein Hund nur entwickeln, wenn er überhaupt in der Lage ist, ruhig zu werden. Ein Hund, der dauerhaft unter Strom steht, hat keine Reserve. Seine Reizschwelle liegt am Boden, jeder Auslöser kippt ihn sofort ins Bellen. In diesem Zustand lernt er nichts über Sicherheit, weil er gar nicht erst in den Bereich kommt, in dem Lernen möglich ist.
Deshalb steht Ruhetraining bei mir vor jedem Anti-Bell-Thema, nicht daneben. Ruhetraining baut die innere Gelassenheit auf, aus der heraus ein Hund Vertrauen fassen kann. Erst wenn der Grundpegel sinkt, hat der Hund Spielraum, in einer Reizsituation kurz nachzudenken, statt sofort loszupoltern. Ruhe ist die Voraussetzung dafür, dass mein Hund mich in der entscheidenden Sekunde überhaupt wahrnimmt.
Das Zusammenspiel ist eindeutig. Ruhe schafft die Reizschwelle, Bindung schafft das Vertrauen, und beides zusammen nimmt dem Bellen den Antrieb. Wer mit dem Anti-Bell-Training anfängt, baut auf Sand.
Was das für die Situation „Hund kommt von vorn“ bedeutet
Stell dir den klassischen Moment vor. Schmaler Weg, vorn taucht ein anderer Hund auf, deiner fängt an zu bellen und in die Leine zu gehen. Mit einem Halsband oder einem scharfen „Nein“ arbeitest du gegen die Anspannung an, während sie hochkocht. Das ist der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt.
In diesen PDF zum sofortigen Downloaden hab ich alles genau erklärt und auch Trainingpläne beigefügt
Dein Hund dreht durch an der Leine?
Sinnvoller ist die Arbeit lange vor dieser Sekunde. Ich sorge zuerst für ein Ruhefundament zu Hause und im Alltag. Ich übe Distanzmanagement, damit mein Hund den anderen wahrnimmt, bevor er überdreht. Ich werde für ihn berechenbar, indem ich verlässlich reagiere und ihm Raum verschaffe. Mein Hund erlebt über viele Wiederholungen, dass ich die Begegnung löse. Erst auf dieser Grundlage hat ein gezieltes Training an der Bellsituation eine Chance. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag
Leinenführigkeit leicht gemacht oder im kompletten PDF
Warum gerade Dackel die Welt am liebsten selbst regeln
Beim Dackel kommt eine Besonderheit dazu, die ich nicht oft genug betonen kann. Dackel sind als selbstständig arbeitende Jagdhunde gezüchtet. Unter der Erde, im Bau, ganz ohne den Menschen daneben, mussten sie eigene Entscheidungen treffen. Lautgebung gehört bei der Bracken- und Erdhundearbeit sogar zum Job, der Dackel soll Laut geben.
Das heißt: Die Bereitschaft, die Umgebung in die eigene Pfote zu nehmen und dabei zu bellen, steckt bei diesem Hund tief drin. Bei meinem Paul merke ich das bis heute, und der kleine Luca aus Italien bringt seinen eigenen Kopf gleich mit. Genau deshalb ist die Vertrauensarbeit beim Dackel kein nettes Extra, sondern die halbe Miete. Ein Dackel, der gelernt hat, dass sein Mensch die Lage regelt, muss seinen angeborenen Hang zur Selbstregie nicht ständig ausleben.
Die Reihenfolge, die funktioniert
Wenn du dir aus diesem Beitrag eine Sache mitnimmst, dann diese: Anti-Bell-Training ist nicht der Anfang, sondern der letzte Schritt. Zuerst kommt die Ruhe, damit dein Hund überhaupt ansprechbar bleibt. Darauf baut die Bindung, durch verlässliches, berechenbares Verhalten von dir. Dann entsteht das Vertrauen, dass du die Umwelt regelst. Und erst wenn dieses Fundament steht, lohnt es sich, an der konkreten Bellsituation zu feilen.
Alles andere dreht am Symptom. Der Hund hört vielleicht kurz auf, aber der Grund bleibt, und der Grund heißt fast immer: fehlendes Vertrauen und zu wenig innere Ruhe.
Das Wichtigste in einem Satz:
Dein Hund bellt nicht, weil er ungezogen ist, sondern weil er glaubt, er müsse die Welt allein regeln. Gib ihm Ruhe und Vertrauen, dann muss er es nicht mehr.
Quellen
- Pongrácz, P., Molnár, C., Miklósi, Á. (2006): Acoustic parameters of dog barks carry emotional information for humans. Applied Animal Behaviour Science 100(3-4), 228-240. Sowie Pongrácz et al. (2005), Journal of Comparative Psychology 119(2), 136-144.
- Übersicht zu aversiven Anti-Bell-Methoden, u. a. RSPCA (2006): The use of shock collars and their impact on the welfare of dogs. Beschreibt Unterdrückung des Verhaltens ohne Ursachenbehandlung sowie erhöhtes Stress- und Angstniveau.
- Horn, L., Huber, L., Range, F. (2013): The Importance of the Secure Base Effect for Domestic Dogs. Evidence from a Manipulative Problem-Solving Task. PLoS ONE 8(5), e65296.







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