Mehrhundehaltung

Floyd und Welpe Paul

Meine Erfahrungen mit mehreren Hunden

Ich hab immer mehrere Hunde gehabt: Jack und Eps, dann Jack, Eps und Floyd zu dritt, Eps und Floyd zu zweit

Eps ( schwarz) Floyd ( braun) und ich

Floyd und Paul und jetzt die Dackel Paul und Luca

Dackel Paul ( rot) und Dackel Luca ( Schwarz)

Meine Erfahrungen mit zwei Hunden

Lange Jahre war Floyd an meiner Seite, mein Flat Coated Retriever, ein großer, leichtfüßiger Apportierhund, der auf mit Dummy im Gelände zu Hause war. Floyd ist 2022 gestorben und er fehlt mir bis heute. Mein Paul, mein rotlanghaariger Standarddackel, klein, eigensinnig, mit dem Kopf eines Jagdhundes, hat ihn nur noch ein paar Wochen kennengelernt. Danach war Paul lange mein einziger Hund. Seit Kurzem hat er Gesellschaft bekommen, von Luca, einem Zwergdackel aus Italien. Heute leben also zwei Dackel bei mir, ein größerer und ein ganz kleiner, und ich erlebe das Thema Zweithund gerade wieder ganz frisch.

Wenn es um Mehrhundehaltung geht, hab ich also bisschen Erfahrungen, genaugenommen 25 Jahre und ich werde hier im Blog ganz viel drüber schreiben.

Es gibt schon den Beitrag Zusammenführung zweier Hunde, wo ich aus meinen Erfahrungen davon berichte, was man beachten sollte.

Außerdem gibt es eine Antistressübung für die zwei

Was Mehrhundehaltung wirklich bedeutet

Mehrhundehaltung klingt nach einem nüchternen Fachbegriff, beschreibt aber etwas ziemlich Lebendiges: das Zusammenleben von zwei oder mehr Hunden in einem Haushalt.

Wichtig ist mir gleich zu Beginn ein Gedanke, der vieles leichter macht. Mehrere Hunde im Haus sind niemals einfacher als ein Hund alleine.

Wer als denkt, der Ersthund kann dann besser alleine bleiben, macht weniger kaputt oder ist dann glücklicher, der täuscht sich.

Es ist ein schöner Irrglaube, dass der zweite Hund sich am ersten orientiert und dadurch von allein gut erzogen wird. Was sich tatsächlich überträgt, sind eher die Baustellen. Wenn dein erster Hund an der Leine bellt, lernt der Zweithund mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass an der Leine gebellt wird. Hunde lernen voneinander, das stimmt. Sie lernen nur leider nicht nach unserem Wunschzettel, sondern das, was im Alltag am häufigsten passiert.

Mehrhundehaltung verändert außerdem die Beziehung zwischen dir und deinem ersten Hund. Plötzlich teilst du deine Aufmerksamkeit. Plötzlich gibt es zwischen den Hunden eine eigene Welt, in der du nicht der Mittelpunkt bist. Für viele Menschen ist das wunderschön, für manche überraschend schmerzhaft. Beides ist okay. Du solltest nur wissen, dass es passiert.

Die ehrliche Frage zuerst: Warum willst du einen zweiten Hund?

Bevor wir über Rassen, Größen und das erste Kennenlernen reden, möchte ich dich kurz bremsen. Nicht, weil ich dir den zweiten Hund ausreden will, im Gegenteil. Sondern weil die ehrliche Antwort auf deine Motivation darüber entscheidet, ob die Mehrhundehaltung später trägt oder kippt.

Es gibt Gründe, die meistens gut funktionieren. Du liebst das Leben mit Hund so sehr, dass du es vergrößern möchtest. Dein Ersthund kommt sicher durch den Alltag, braucht dich nur noch selten als Stütze, und du hast Kapazität für einen weiteren Charakter. Du betreibst einen Hundesport und dein aktueller Partner geht langsam in den Ruhestand. Das sind tragfähige Motive, weil sie aus einer Position der Ruhe kommen.

Und dann gibt es die Gründe, bei denen ich vorsichtig werde. Der häufigste lautet: Mein Hund ist so oft allein, ein zweiter Hund soll ihm Gesellschaft leisten. Das klingt fürsorglich, geht aber oft nach hinten los. Ein Hund, der nicht allein bleiben kann, lernt das Alleinbleiben nicht plötzlich, nur weil ein Artgenosse danebenliegt. Manchmal hängen sich beide aneinander und das Problem verdoppelt sich. Noch schwieriger wird es, wenn der zweite Hund ein bestehendes Problem lösen soll. Dein Ersthund ist unsicher gegenüber fremden Hunden, also soll ein Kumpel ihm Sicherheit geben. Dein Ersthund jagt, also soll der Zweithund ihn ablenken. In den seltensten Fällen geht diese Rechnung auf. Verhaltensthemen löst man durch Training, nicht durch ein weiteres Tier, das selbst Bedürfnisse mitbringt.

Mein Rat aus vielen Jahren: Hol dir den zweiten Hund, weil du dir ein größeres Leben mit Hunden wünschst, nicht weil du ein Problem mit dem ersten reparieren willst. Stell dir vor dem Einzug einmal das ungünstigste Szenario vor. Die beiden verstehen sich nicht auf Anhieb, der Ersthund fällt in alte Muster zurück, du musst eine Weile getrennt spazieren gehen. Wenn du dir dieses Bild ansiehst und denkst „das kriege ich hin“, dann bist du bereit. Wenn dir bei dem Gedanken die Luft wegbleibt, warte lieber noch.

Der hartnäckige Mythos: Rudelführer und Rangordnung

Kaum ein Thema ist in der Mehrhundehaltung so verbreitet und gleichzeitig so falsch wie die Geschichte von der starren Rangordnung. Du kennst die Sätze sicher. Der ranghöhere Hund muss zuerst gefüttert werden. Du musst der Rudelführer sein, sonst übernimmt der Hund. Der Ersthund hat Vorrang, sonst gibt es Streit.

Diese Vorstellung stammt aus alten Wolfsstudien, die an Tieren gemacht wurden, die in Gefangenschaft zufällig zusammengewürfelt waren. Frei lebende Wölfe bilden Familienverbände, keine kämpfenden Hierarchien. Und unsere Hunde sind ohnehin keine Wölfe, sondern eine eigene Art, die sich über Jahrtausende an das Leben mit uns angepasst hat. Hunde untereinander bilden keine feste Rangleiter, auf der jeder seinen Platz verteidigt. Was sie haben, sind situationsabhängige Vorlieben. Der eine Hund mag diesen Liegeplatz besonders, der andere besteht auf dem ersten Schluck aus dem Wassernapf, ein dritter gibt einen Kauknochen niemals her. Das ist kein Rangkampf, das sind individuelle Wünsche, die mal mehr und mal weniger wichtig sind.

In meinem Haus gibt es keine Rangordnung, die ich pflege. Es gibt klare, freundliche Regeln, die für alle gelten, und es gibt Management, damit niemand in eine Lage kommt, in der er sich verteidigen müsste.

Mehr Hunde heißt mehr von fast allem

Ich möchte nichts beschönigen. Ein zweiter Hund ist nicht einfach ein zweites Körbchen. Er kostet Geld, und zwar nicht nur beim Einkauf von Futter und Ausrüstung. Tierarztkosten sind der Punkt, an dem es bei mir regelmäßig ernst wird. Wenn ein Hund eine Operation oder eine längere Behandlung braucht, gerät das Budget ins Wanken. Bei mehreren Hunden steigt schlicht die Wahrscheinlichkeit, dass mal etwas ist. Und wenn zwei Tiere kurz hintereinander krank werden, wird aus einem unangenehmen Betrag schnell ein bedrohlicher.

Für mich gilt eine klare Linie: Jeder Hund bekommt die volle Versorgung. Es darf nicht passieren, dass ein Tier zurückstecken muss, weil das Geld gerade beim anderen liegt. Wer mehrere Hunde hält, sollte sich deshalb ehrlich fragen, ob ein finanzielles Polster oder eine gute Versicherung vorhanden ist, und genau prüfen, was diese Versicherung im Ernstfall wirklich übernimmt.

Neben dem Geld kostet ein zweiter Hund vor allem Zeit, und zwar oft mehr, als man denkt. Zwei Hunde lassen sich nicht immer zusammen versorgen. Manchmal musst du getrennt Gassi gehen, etwa wenn einer langsamer wird oder eine Verletzung auskuriert. Manchmal willst du getrennt trainieren, weil zwei Hunde gleichzeitig zu lernen anders ist als einer allein. Multitasking an der Leine ist eine echte Kunst, und niemand bringt sie von Anfang an mit.

Was viele unterschätzen, ist der Alltag drumherum. Zwei Hunde im Auto brauchen Platz. Eine Ferienunterkunft für zwei oder drei Hunde zu finden, schränkt die Auswahl spürbar ein. Ein Hundesitter, der einen Hund problemlos nimmt, winkt bei dreien manchmal ab. All das ist lösbar. Du musst nur wissen, dass es zur Mehrhundehaltung dazugehört, und früh anfangen, dir ein Netz aus verlässlichen Menschen aufzubauen, die im Notfall einspringen können.

Welcher Zweithund passt zum ersten?

Jetzt zur Frage, die mir am meisten Spaß macht, weil ich hier aus dem Vollen schöpfen kann. Wer passt zu wem? Eine Pauschalantwort gibt es nicht, weil am Ende immer die Persönlichkeit entscheidet. Trotzdem gibt es ein paar Linien, an denen du dich orientieren kannst.

Großer Hund und kleiner Hund zusammen

Was du bei dieser Kombination im Auge behalten musst, ist die körperliche Sicherheit. Ein großer Hund meint es im Spiel oft gar nicht böse, kann den kleinen aber mit einem unbedachten Sprung umwerfen oder im Eifer auf ihn fallen. Gerade bei einem Dackel mit seinem langen Rücken ist das nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Wildes Körperspiel zwischen so unterschiedlichen Gewichtsklassen lenke ich von Anfang an in ruhigere Bahnen, gemeinsame Spaziergänge, Schnüffeln, Suchspiele, statt Rangeleien, bei denen der Kleine den Kürzeren zieht.

Der schöne Nebeneffekt: Ein selbstbewusster kleiner Hund lässt sich vom Größenunterschied oft gar nicht beeindrucken. Größe regelt unter Hunden weniger, als wir Menschen glauben. Ein Zwergdackel kann einem Schäferhund klarmachen, wo dessen Grenzen liegen, wenn er gut sozialisiert ist und sich sicher fühlt.

Gleiches oder gegengeschlechtliches Paar?

Eine gemischtgeschlechtliche Zweierkonstellation gilt unter Hunden oft als die leichteste, weil sich Rüde und Hündin im Haus meist weniger an grundsätzlichen Dingen reiben. Dafür kann unterwegs mehr Aufregung dazukommen, wenn ein anderer Hund als Konkurrenz wahrgenommen wird.

Aber man müsste vorher wissen, wo der Rüde hinziehen kann, wenn die Hündin läufig ist.

Zwei Rüden oder zwei Hündinnen können zu echten Freunden werden, das erlebe ich oft. Bei unkastrierten Tieren wird es manchmal anspruchsvoller. Zwei Hündinnen können in bestimmten Phasen ordentlich aneinandergeraten, da spielen Hormone eine Rolle. Falls du über eine Kastration nachdenkst, um das Zusammenleben zu erleichtern, beschäftige dich bitte gründlich mit dem Thema und folge nicht einfach den lautesten Stimmen in den Foren. Eine Kastration ist ein medizinischer Eingriff mit Folgen für Körper und Verhalten, keine schnelle Lösung für soziale Spannungen.

Auf Dackelwissen.de steht ein sehr guter Beitrag über das Kastrieren, Lese es dir sorgfältig durch, denn das ist ein gravierender Einschnitt in die Hundepsyche. Apropos: Falls du dich schon immer fragst, warum es zwei Webseiten gibt: Dackelwissen.de ist quasi die „Wissensseite“ mit fachlichen Texten und hier geht es auch fachlich zu, aber ich bringe hier meine Erfahrungen mit rein. Du hast hier zb auch viele Videos

Apropos Video

Luca und Paul beim Spielen. Noch herrscht Harmonie, denn Luca ist noch nicht in der Pubertät

Welpe oder erwachsener Hund als Zweithund?

Ein Welpe ist niedlich, keine Frage. Er bringt aber sehr viel Arbeit mit und stört die Ruhe deines Ersthundes oft mehr, als wir es uns eingestehen. Junge Hunde sind anstrengend für erwachsene Tiere, weil sie ständig spielen wollen und Grenzen erst noch lernen müssen.

Hier liegt mir ein Punkt besonders am Herzen. Dein erster Hund ist nicht der Erzieher des Welpen. Es ist nicht seine Aufgabe, dem Kleinen Manieren beizubringen, und schon gar nicht, ihn hart zurechtzuweisen. Wir Menschen sind dafür zuständig, dass der Welpe lernt, den älteren Hund in Ruhe zu lassen, wenn der seine Ruhe braucht. Das gelingt über Management und Training, über Rückzugsorte und klare Strukturen, nicht dadurch, dass wir den Älteren in eine Rolle drängen, die er gar nicht will.

Ein erwachsener Zweithund kann eine wunderbare Alternative sein, gerade aus dem Tierschutz. Du siehst schon, wie er charakterlich tickt, und sparst dir die kräftezehrende Welpenzeit. Dafür bringt er womöglich Erfahrungen mit, die ihr gemeinsam aufarbeiten müsst. Beide Wege haben ihren Reiz, es kommt auf deine Lebenssituation an.

Alt und Jung unter einem Dach

Wenn dein erster Hund schon älter ist, überlege dir gut, ob ein junger, wilder Zweithund wirklich ein Geschenk für ihn ist. Manche Senioren blühen mit einem jungen Hund noch einmal auf. Andere wünschen sich nichts sehnlicher als ihre Ruhe und werden vom Gewusel des Jüngeren überfordert.

Ich habe für mich entschieden, dass meine Hunde in Würde altern dürfen, ohne dass ich ihnen kurz vor Schluss noch eine Belastung ins Haus hole. Ein alter Hund hat sich seine Gelassenheit verdient. Falls ein junger Hund einzieht, ist es unsere Pflicht, dem Senior jederzeit einen geschützten Bereich zu garantieren, in den der Jüngere nicht eindringt.

Die Zusammenführung: wie zwei Hunde zueinander finden

Jetzt wird es ganz praktisch, denn an diesem Punkt entscheidet sich enorm viel. Wie zwei Hunde sich zum ersten Mal begegnen, prägt ihre Beziehung oft länger, als uns lieb ist.

Das erste Kennenlernen findet idealerweise auf neutralem Boden statt, nicht im Wohnzimmer des Ersthundes. Ein Spaziergang an einem ruhigen Ort, an dem keiner sein Revier verteidigen muss, ist ein guter Anfang. Ich gehe dabei gerne ein Stück parallel, beide an lockerer Leine, mit Abstand. Die Hunde sehen und riechen einander, ohne sich sofort begrüßen zu müssen. Dieses gemeinsame Laufen ohne Druck baut mehr Vertrauen auf als jede direkte Schnauze-an-Schnauze-Begegnung.

Erst wenn beide entspannt wirken, lasse ich sie näher zueinander. Lockere Leinen sind dabei entscheidend, weil eine straffe Leine Spannung auf den Hund überträgt und eine freundliche Annäherung schwer macht. Ich gebe ihnen Zeit. Es gibt keinen Preis dafür, dass sich zwei Hunde in fünf Minuten beschnuppert haben.

Beim ersten Einzug ins Haus achte ich darauf, dass der Ersthund nicht das Gefühl bekommt, sein Zuhause werde überrannt. Der neue Hund bekommt von Anfang an einen eigenen Bereich, eigene Liegeplätze, eigene Näpfe. Ich verteile meine Aufmerksamkeit so, dass der Ersthund nicht das Nachsehen hat. Eifersucht entsteht oft erst dadurch, dass wir den Neuankömmling überschwänglich feiern und den alten Freund vernachlässigen.

Als Luca aus Italien zu uns kam, habe ich genau so gearbeitet. Erst die ruhige Begegnung draußen mit Paul, dann das langsame Heranführen ans Haus, viele getrennte Phasen am Anfang. Luca war ein junger, fremder Hund in einer fremden Umgebung, mit einer fremden Sprache im Kopf. Druck wäre das Letzte gewesen, was er gebraucht hätte. Ich habe ihm Zeit gegeben, anzukommen, bevor ich von ihm erwartet habe, sich in die bestehende Gruppe einzufügen.

Hier lest ihr von Lucas ersten Tag im neuen Rudel, also bei mir:

Luca und Paul lernen sich kennen

Ressourcen und Management im Alltag

Die meisten Konflikte in der Mehrhundehaltung drehen sich nicht um abstrakte Hierarchien, sondern um konkrete Dinge. Futter, Kauknochen, der beste Liegeplatz, der Zugang zu mir. Wir nennen das Ressourcen, und der klügste Weg, Streit darum zu vermeiden, ist Management.

Gefüttert wird bei mir getrennt. Jeder Hund hat seinen festen Platz, und niemand kommt dem anderen beim Fressen zu nahe. Das ist keine Bestrafung, sondern eine Erleichterung. Ein Hund, der nicht damit rechnen muss, dass ihm jemand das Futter wegnimmt, frisst entspannt und muss nichts verteidigen. Kauknochen und besonders begehrte Dinge gibt es ebenfalls nur dann, wenn die Hunde entweder genug Abstand haben oder getrennt sind. Ich teste nicht, ob es gut geht. Ich sorge dafür, dass es gar nicht erst zur Frage wird.

Rückzugsorte sind das zweite große Thema. Jeder Hund braucht einen Ort, an dem er seine Ruhe hat und an den die anderen nicht kommen. Das kann eine Box sein, ein bestimmtes Körbchen in einer ruhigen Ecke, ein Platz hinter dem Sofa. Wichtig ist, dass dieser Ort wirklich tabu ist für die anderen, und dass auch wir Menschen ihn respektieren. Ein Hund, der sich zurückzieht, möchte in Ruhe gelassen werden.

Genauso wichtig ist Einzelzeit mit mir. Jeder meiner Hunde bekommt Momente, in denen er mich allein hat. Ein Spaziergang nur mit Paul, eine Kuschelrunde nur mit Luca. Das stärkt die Bindung zu jedem einzelnen Hund und nimmt Druck aus der Gruppe. Hunde, die nie allein mit ihrem Menschen sind, hängen sich oft umso stärker aneinander, was unterwegs zum Beispiel das gemeinsame Jagen begünstigen kann.

Und schließlich die Ruhe selbst. Damit niemand auf Dauer überdreht, achte ich auf echte Ruhephasen, in denen alle Hunde herunterfahren. Ein Hund, der zu Hause ständig auf den anderen achten muss, lädt seinen Akku nicht voll auf. Er wird dünnhäutiger und reagiert draußen schneller gereizt. Ruhe im Haus ist deshalb kein Luxus, sondern die Grundlage für entspanntes Verhalten überall sonst.

Wenn es doch mal kracht

Auch in der harmonischsten Hundegruppe gibt es Konflikte. Das ist normal, denk an dein eigenes Zusammenleben mit Familie oder Partner. Reibung gehört dazu. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

Das Erste, was ich klarstelle: Die Hunde regeln das nicht einfach unter sich, und schon gar nicht durch Kämpfe, die wir laufen lassen sollten. Der gut gemeinte Rat, man dürfe nicht eingreifen, weil die Hunde das selbst klären müssten, hat schon viel Schaden angerichtet. Eine ernste Auseinandersetzung zwischen Hunden, die zusammenleben müssen, hinterlässt Spuren. Vertrauen, das einmal gebrochen ist, lässt sich nur mühsam wieder aufbauen.

Mein Weg ist Vorbeugung durch Management. Ich sorge dafür, dass die typischen Auslöser gar nicht entstehen. Enge Türen, in denen sich Hunde stauen, entzerre ich. Hochwertiges Futter und Kauartikel gibt es nur getrennt. Aufregende Momente, etwa wenn jemand an der Tür klingelt, strukturiere ich so, dass nicht beide gleichzeitig in einen Erregungszustand geraten.

Wenn sich trotzdem Spannung aufbaut, greife ich früh und freundlich ein, lange bevor es eskaliert. Ich lese die feinen Signale. Ein steifer Körper, ein eingefrorener Blick, ein Verharren über dem Knochen. An dieser Stelle lenke ich ruhig um, hole einen Hund aus der Situation, schaffe Abstand. Niemals mit Härte, niemals mit Strafe, weil Strafe in solchen Momenten nur noch mehr Spannung in die Gruppe bringt.

Sollten zwei Hunde sich grundsätzlich schwer miteinander tun, ist Geduld gefragt und manchmal professionelle Begleitung. Ich habe Konstellationen erlebt, in denen Hunde über Monate mit Gittern und getrennten Bereichen wieder zueinandergefunden haben. Das ist ein langer Weg, der sich lohnen kann, aber ehrliche Bereitschaft verlangt, den Alltag entsprechend anzupassen.

Größe und Sicherheit: worauf es beim Toben ankommt

Weil bei mir lange ein großer und kleine Hunde zusammenkamen und ich jetzt mit Paul und dem winzigen Luca wieder einen deutlichen Größenunterschied im Haus habe, liegt mir dieser Punkt besonders am Herzen. Spiel zwischen sehr unterschiedlich großen Hunden braucht Aufsicht.

Ein großer Hund, der im Spiel hochgeht und auf einen kleinen fällt, kann ernsthaften Schaden anrichten, ohne dass auch nur ein Funken Bosheit dabei ist. Beim Dackel mit seinem langen Rücken kommt hinzu, dass ruckartige Drehungen, Sprünge und Stöße die Wirbelsäule belasten. Ich lasse meine Hunde deshalb nicht ungebremst miteinander rasen. Gemeinsames Schnüffeln, ruhiges Nebeneinanderlaufen, gemeinsame Suchspiele, das ist ihr Repertoire. Wenn das Spiel zu wild wird, baue ich eine Pause ein, bevor jemand ins Schleudern gerät.

Das heißt nicht, dass große und kleine Hunde nicht zusammen Spaß haben dürfen. Sie dürfen, und sie tun es. Es heißt nur, dass ich als Mensch die Verantwortung trage, das Spiel in einem Rahmen zu halten, in dem der Kleinere keinen Schaden nimmt. Ein gutes Abbruchsignal, das beide Hunde aus dem Spiel herausholt, ist dabei Gold wert.

Mehrhundehaltung mit Dackel, das ist besonders

Mehrhundehaltung ist bei jedem Hund ein großes Thema, beim Dackel kommen ein paar Eigenheiten dazu, die du kennen solltest.

Der lange Rücken ist der wichtigste Punkt. Im Zusammenleben mit einem zweiten Hund, vor allem mit einem deutlich größeren, musst du das wilde Körperspiel im Blick behalten. Ein Dackel, der beim Toben unter einem schweren Spielpartner landet oder ständig hochspringt, riskiert seine Bandscheiben. Lieber gemeinsames Schnüffeln und ruhige Spiele als Rangeleien, bei denen der Dackel buchstäblich den Kürzeren zieht.

Der Jagdtrieb ist die zweite Besonderheit. Dackel sind durch und durch Jagdhunde, und zwei jagdlich motivierte Hunde, die sich gegenseitig hochschaukeln, sind unterwegs eine ganz eigene Hausnummer. Wenn dein Zweithund ebenfalls Jagdtrieb mitbringt, plane das Antijagdtraining für beide ein und arbeite genauso viel einzeln wie gemeinsam, damit sie sich draußen nicht gegenseitig anstecken.

Und dann ist da der berühmte Dackelkopf. Dackel sind eigenständige Persönlichkeiten, die gern selbst entscheiden. In der Gruppe heißt das, dass ein Dackel sich von einem größeren Hund selten beeindrucken lässt und seine Grenzen deutlich setzt. Das ist kein Problem, solange du dafür sorgst, dass jeder seinen Raum bekommt und niemand etwas verteidigen muss.

Wenn du dich grundsätzlich fragst, ob ein Dackel zu deinem Leben passt, ob als erster oder als zweiter Hund, schau in meinen ausführlichen Ratgeber rund um den Dackel hinein Dort findest du alles zu Charakter, Haltung und den Eigenheiten dieser besonderen Rasse.

Mein Alltag mit Paul und Luca: ehrlich gesagt

Inzwischen lebe ich wieder mit zwei Hunden, und ich will dir nicht erzählen, dass das immer ein harmonisches Idyll ist. Es gibt Tage, an denen die beiden perfekt im Takt sind, gemeinsam auf der Wiese schnüffeln, abends erschöpft und zufrieden nebeneinander schlafen. An solchen Tagen weiß ich genau, warum Paul nicht für immer mein einziger Hund bleiben sollte.

Es gibt aber auch die anderen Tage. Der Tag, an dem Luca als Jüngster Paul auf die Nerven geht und ich dazwischengehe, bevor Paul deutlich wird. Der Morgen, an dem ich getrennt mit einem von ihnen gehe, weil der andere gerade eine Pause braucht. Die Wochen, in denen einer krank ist und mein ganzer Tagesablauf sich um Tierarztbesuche dreht. Zwei Hunde bedeuten mehr Logistik, mehr Aufmerksamkeit, mehr Wäsche und mehr Sorgen.

Was ich dabei gelernt habe: Mehrhundehaltung ist kein Zustand, den man einmal herstellt und dann genießt. Es ist eine ständige, freundliche Feinarbeit. Du beobachtest, du passt an, du gibst jedem das, was er braucht. Genau diese Aufmerksamkeit macht aber auch das Schöne aus. Ich sehe meinen Hunden beim Kommunizieren zu, beim gemeinsamen Erkunden, bei ihren kleinen Verhandlungen, und ich lerne nach all den Jahren immer noch dazu.

Bevor du dich entscheidest

Mehrhundehaltung kann das Leben unglaublich bereichern. Sie kann aber auch überfordern, wenn du sie unterschätzt. Deshalb möchte ich dir zum Schluss ein paar ehrliche Fragen mitgeben, die du dir ganz in Ruhe beantworten solltest.

Kommt dein erster Hund sicher durch den Alltag und braucht dich nur noch selten als Stütze? Hast du genug Zeit, jedem Hund einzeln gerecht zu werden, nicht nur der Gruppe als Ganzes? Trägt dein Budget einen zweiten oder dritten Hund, auch wenn mehrere gleichzeitig zum Tierarzt müssen? Hast du Menschen an deiner Seite, die im Notfall einspringen? Und ganz wichtig, wünschst du dir den zweiten Hund aus Freude am Leben mit Hunden, nicht als Reparatur für ein bestehendes Problem?

Wenn du diese Fragen mit einem ruhigen Ja beantworten kannst, dann steht deinem größeren Hundeleben wenig im Weg. Geh es nur mit der gleichen Achtsamkeit an, die jeder einzelne Hund verdient. Plane das erste Kennenlernen mit Bedacht, schaffe von Anfang an getrennte Ressourcen und Rückzugsorte, und gib allen Beteiligten die Zeit, die sie brauchen.

Ich habe es nie bereut, mein Leben mit Hunden groß angelegt zu haben.

Ich bin Daniela mit Dackel Paul

Willkommen in meinem Dackelblog, der eine Ergänzung zu der Website

Dackelwissen.de ist. Auch bin ich Autorin von mehreren Dackelbüchern

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