Dackelgerechte Erziehung

Meine persönlichen Ansätze in der Dackelerziehung

Kaum eine Rasse bekommt so schnell ein Etikett verpasst wie der Dackel. Stur soll er sein, dickköpfig, schwererziehbar, der eben sein eigenes Ding durchzieht. Wer einen Dackel hat, hört diese Sätze ständig, oft sogar von Menschen, die selbst einen besitzen. Nach über dreißig Jahren mit Hunden und vielen Jahren mit Dackeln sehe ich das völlig anders. Mein Paul ist alles, nur nicht stur. Er ist feinfühlig und aufmerksam, und er liest mich genauer, als den meisten Menschen lieb wäre. Genau hier beginnt für mich dackelgerechte Erziehung, nämlich bei der Frage, ob wir den Hund überhaupt richtig verstanden haben.

Meine Überzeugung ist unbequem, weil sie fast überall anders erzählt wird. Hinter dem angeblichen Dickkopf steckt für mich etwas ganz anderes: ein sensibler, empfindsamer Hund. Was als Sturheit durchgeht, ist in den allermeisten Fällen ein Missverständnis.

„Stur“ ist die bequemste Erklärung

Das Wort „stur“ hat einen großen Vorteil. Es beendet jedes Gespräch. Wenn der Dackel stur ist, dann liegt das Problem im Hund, und der Mensch ist fein raus. Übrig bleiben zwei Wege. Entweder zwingt man den Hund, oder man zuckt mit den Schultern und sagt, das sei halt so ein Dackelding.

Beides geht für mich an der Sache vorbei. Ein Dackel, der nicht hört, hat in den seltensten Fällen beschlossen, dich zu ärgern. Viel häufiger fehlt ihm das Vertrauen, dass du die Dinge regelst. Wenn dieses Vertrauen fehlt, übernimmt er die Aufgabe eben selbst. Diese Bereitschaft, eigenständig zu entscheiden, liegt ihm tief im Blut. Der Dackel wurde dafür gezüchtet, unter der Erde allein zu arbeiten, weit weg vom Menschen, ohne Anweisung. Selbstständig zu sein ist seine Stärke, kein Defekt. Genau deshalb füllt er jede Lücke, die wir ihm lassen.

Der Dackel, der sich für alles zuständig fühlt

Schau dir einmal an, wofür ein Dackel bei vielen Besitzern den ganzen Tag Verantwortung trägt. Er bewacht den Gartenzaun. Er kontrolliert die Straße. Er bellt jeden Hund an, der vorbeikommt. Auf dem Spaziergang entscheidet er, wo es langgeht und was wichtig ist. Viele Menschen halten das Zulassen dieser Eigenschaften für ein Geschenk an den Hund. Sie denken, das tut ihm gut, das ist seine Natur, das machen alle Dackel so.

Natürlich machen das viele Dackel so, wenn niemand ihnen eine Alternative zeigt. Ein Hund, der sich für seine gesamte Umgebung zuständig fühlt, ist aber selten ein entspannter Hund. Er ist im Dienst. Er scannt, er bewertet, er reagiert. Das kostet Kraft, und es macht ihn dünnhäutig.

Ich zwinge meine Dackel nicht, diese Dinge zu lassen. Es gibt auch keine harten Sanktionen, wenn sie bellen oder umhergehen, statt zu schlafen.

Ich sage einfach „ Du brauchst das nicht, ich mach das für Dich“

Ich lasse ihn durchaus in seinen eigenen Einschätzungen. Ich zeige ihm nur, immer wieder, dass er das alles nicht allein tragen muss, weil ich ja auch noch da bin und die Lage im Blick habe.

Sicherheit nimmt dem Dackel den Druck

Dass dieses Prinzip funktioniert, ist keine reine Erfahrungssache, sondern lässt sich verhaltensbiologisch belegen. Die Bindungsforschung zeigt sehr schön, dass der vertraute Mensch für den Hund wie ein sicherer Hafen wirkt. In einem Versuch näherte sich Hunden eine bedrohlich wirkende fremde Person. War der eigene Mensch dabei, stieg die Herzfrequenz der Hunde deutlich weniger stark an, und dieser beruhigende Effekt wirkte sogar bei einer späteren Begegnung nach. Andere Untersuchungen zeigen, dass sicher gebundene Hunde mehr erkunden und an einer kniffligen Aufgabe länger dranbleiben, wenn ihr Mensch in der Nähe ist.

Übersetzt in den Alltag heißt das: Wenn dein Dackel darauf vertraut, dass du die Situation einordnest und übernimmst, darf sein System herunterfahren. Er muss nicht mehr selbst die Straße bewachen, weil das jetzt dein Job ist. Das meine ich, wenn ich sage, ich gehe nach vorne und regle die Dinge. Mit Dominanz hat das nichts zu tun. Es geht um Verlässlichkeit. Ich werde zu dem festen Punkt, an dem er sich orientieren kann, und genau das erlaubt ihm, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.

Warum Strenge bei Dackeln nach hinten losgeht

Jetzt kommt der Teil, der den Dackel so oft in die Schublade „stur“ befördert. Begegnet man einem so sensiblen Hund mit Härte, macht er häufig komplett zu. Dann nimmt er nicht einmal mehr ein Leckerli, um sich wieder aufzuheitern. Stattdessen drückt er die Nase auf den Boden und tut so, als hätte er dort etwas Wichtiges zu schnüffeln, obwohl gerade gar nichts da ist. Die Kommunikation mit seinem Menschen stellt er dabei oft vollständig ein und wir fragen uns, wie wir die Beziehung zum Dackel wieder verbessern können.

Auch dafür gibt es eine fachliche Erklärung. Das plötzliche Schnüffeln und das Wegdrehen gehören zu den Beruhigungssignalen, die die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaas beschrieben hat. In angespannten, frustrierenden Situationen treten diese Signale messbar häufiger auf, und sie hängen mit erhöhten Stresshormonwerten zusammen. Die Nase am Boden ist also kein Ignorieren. Sie ist die Ansage deines Hundes, dass ihm gerade alles zu viel wird und er die Lage entschärfen möchte.

Wird dieser Druck zum Dauerzustand, geht der Hund noch einen Schritt weiter. Wenn ein Hund immer wieder für Dinge gemaßregelt wird, die er nicht ändern kann oder gar nicht versteht, kann sein Nervensystem in eine Art Erstarrung kippen. Er wird still, flach, passiv. In der Fachsprache spricht man von erlernter Hilflosigkeit. Das Bittere daran: Viele Menschen loben so einen Hund dann als besonders brav, dabei hat er innerlich aufgegeben. Diese Erstarrung wird ständig als Sturheit, Trotz oder Faulheit fehlgedeutet, obwohl sie nichts davon ist.

Wichtig ist mir die Unterscheidung. Ein Dackel kann ein klares, faires „Nein“ durchaus ab, wenn er gerade etwas getan hat, das er nicht darf. Das versteht er als Zeichen, dass Frauchen mal wieder aufgepasst hat. Was die Beziehung kaputt macht, ist das ewige Anmeckern. Schimpfen, weil der Dackel bellt. Schimpfen, weil er Dinge tut, von denen er gar nicht weiß, dass er sie lassen soll. Dieses ungerechtfertigte, dauerhafte Meckern bringt einen sensiblen Hund dazu, dichtzumachen.

Was dackelgerechte Erziehung für mich bedeutet

Dackelgerechte Erziehung läuft für mich über Vertrauen, über Bindung, über Klarheit und über faire Regeln. Ich lasse meinem Hund seine eigenen Entscheidungen dort, wo sie ihm zustehen. Ich rede ihm nicht ständig rein. Trotzdem bleibe ich präsent und zeige ihm, dass es eine Alternative zum Alleintragen gibt.

Bei den sensiblen Arbeitsrassen wird genau so gearbeitet, nur redet kaum jemand über den Dackel in diesen Worten. Ein guter Border Collie darf auf dem Hof in Echtzeit eigene Entscheidungen treffen, ordnet sich seinem Menschen aber freiwillig unter, weil die Beziehung trägt. Wer mit Border Collies, Shelties oder Vizslas arbeitet, erzählt dir dasselbe. Diese Hunde sind eher sensibel als stur, und harte Korrekturen lassen ihre Mitarbeit zusammenbrechen, statt sie aufzubauen. Der Dackel funktioniert nach demselben Prinzip.

Klarheit gehört für mich fest dazu. Faire, nachvollziehbare Regeln geben dem Hund Halt, weil er weiß, woran er ist. Regeln und eine gute Beziehung schließen sich nicht aus. Sie sind Teil der Sicherheit, die ich meinem Dackel gebe.

Der entspannte Dackel am Ende

Wenn ein Dackel nicht mehr für alles zuständig sein muss, verändert er sich. Er wird ruhiger, weicher, gelassener. Er kann sich auf dem Spaziergang hinlegen und einen anderen Hund vorbeiziehen lassen, weil das Regeln jetzt meine Aufgabe ist und nicht seine. Darum geht es mir bei dackelgerechter Erziehung. Ich gebe ihm die Sicherheit, einen Teil der Last endlich abzulegen. Ein Dackel, der darauf vertraut, dass du die Dinge im Griff hast, gehört zu den aufmerksamsten und wunderbarsten Begleitern, die man sich wünschen kann.


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Ich bin Daniela mit Dackel Paul

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