
Wie gehe ich mit Eifersucht in der Mehrhundehaltung um?
Fast die ganze Zeit, seit ich Hunde habe, hab ich mehr als einen Hund. Ich mag das einfach, verschiedene Charaktere um mich herum zu haben und mich darauf einzulassen.
Ein großes Thema, wenn man einen neuen Hund dazu bekommt, ist Eifersucht zwischen den Hunden.
Zunächst einmal ist es völlig normal, dass Eifersucht entsteht, aber es liegt an uns, das Ganze zu managen.
Wir sollten uns zum Ziel setzen, dass wir innerhalb von längsten 3-6 Monaten schaffen, dass keine Eifersucht mehr auftritt.
Lese zunächst den Beitrag von mir „ Zusammenführung zweier Hunde“, denn tatsächlich entscheidet schon der Anfang darüber, wie der Verlauf der Beziehung der zwei Hunde untereinander wird.
Wichtig ist auch, dass die Hunderassen gut zusammenpassen, es gibt einige Rassen, die sind einfach nicht gern zu zweit, dass sollte man berücksichtigen.
Wie vermeidet man Eifersucht zwischen zwei Hunden
Kurz gesagt: Eifersucht verhindert man nur, indem wir als Hundebesitzer entscheiden, wer jetzt dran ist.
Als Beispiel: ein Hund kommt zu uns und will kuscheln. Der andere Hund hatte gar keine Lust auf Nähe, aber das der andere nun kuschen will, ist auch nicht gut. So kommt er also an, um zu nerven. Da müssen wir Grenzen ziehen, dass ist ganz wichtig.
Ich hab euch mal ein Video gemacht, welches genau zeigt, was gemeint ist:
Luca hat morgens lange mit mir gekuschelt. Das ist am Morgen nicht unbedingt was für Paul, er ist kein Morgenmensch. Was er aber liebt: spielen! Seit ich Paul habe, spielen wir morgens eine Runde, während Luca spielen am Morgen nicht mag.
Aber hier ist deutlich zu sehen, dass Luca das gerade ziemlich nervt, dass Paul und ich Spaß haben und er nicht und er will die Harmonie stören. Da greif ich einmal kurz und knackig ein und die Lage ist klar. Alles geht friedlich weiter.
Hätte ich hier nicht geregelt, dann hätte das Paul übernommen und das ist nicht gut.
Niemals sollte der Ersthund in die Situation kommen müssen, Dinge regeln zu müssen.
Regeln aufstellen und durchsetzen ist immer Sache der Menschen.
Hunde wollen auch gar nicht in der Verantwortung stehen und sich um solche Dinge kümmern müssen.

Eifersucht beim Hund: Was die Wissenschaft wirklich weiß
Die Frage, ob Hunde eifersüchtig sein können, klingt im Alltag banal, ist wissenschaftlich aber bis heute umstritten. Der Kern der Debatte: Eifersucht galt lange als komplexe, womöglich rein menschliche Emotion, weil sie kognitiv anspruchsvoll erscheint. Sie verlangt eine Dreieckskonstellation aus dem eigenen Selbst, einer geliebten Bezugsperson und einem Rivalen, der diese Bindung bedroht. Manche Forscher hielten Eifersucht sogar für ein soziales Konstrukt ohne biologische Grundlage. Aus funktionaler Sicht lässt sich dagegen argumentieren, dass eine Emotion, die soziale Bindungen vor Eindringlingen schützt, auch bei anderen sozialen Arten existieren könnte. Der Hund ist dafür ein naheliegender Kandidat, weil die Hund-Mensch-Bindung in vielem der Bindung zwischen Mutter und Kleinkind ähnelt.
Bemerkenswert ist die Lücke zwischen Alltagsbeobachtung und Datenlage. In Befragungen berichten über 80 Prozent der Hundehalter, dass ihr Hund eifersüchtiges Verhalten zeigt, etwa Lautäußerungen, Unruhe oder Ziehen an der Leine, wenn die Bezugsperson anderen Hunden Aufmerksamkeit schenkt. Was Halter erleben, ist also weitgehend konsistent. Was im Labor reproduzierbar nachweisbar ist, fällt deutlich vorsichtiger aus.
Die Gründungsstudie: Harris und Prouvost 2014
Die erste experimentelle Untersuchung stammt von der Psychologin Christine Harris und Caroline Prouvost an der University of California San Diego, veröffentlicht 2014 in PLOS ONE. Die Forscherinnen übertrugen ein Paradigma aus der Säuglingsforschung auf Haushunde. Die Halter wandten sich nacheinander drei Objekten zu: einem realistisch wirkenden Plüschhund, der bellte und mit dem Schwanz wedelte, einem Plastikeimer und einem aufgeklappten Buch. Die Hunde zeigten deutlich mehr eifersüchtig wirkendes Verhalten wie Schnappen, Anstupsen und Dazwischendrängen, wenn ihr Halter dem vermeintlichen anderen Hund Zuneigung schenkte, und reagierten beim Eimer schwächer, beim Buch kaum.
Ob die Tiere den Stoffhund tatsächlich für einen echten Rivalen hielten, leiteten die Autorinnen aus der Aggression ab. Als zusätzlichen Beleg führten sie an, dass 86 Prozent der Hunde während oder nach dem Versuch am Hinterteil des Spielzeughundes schnüffelten, was bei Hunden der Untersuchung eines Artgenossen entspricht. Harris formulierte vorsichtig, man könne über das subjektive Erleben nichts sagen, die Hunde schienen aber motiviert, die Verbindung zwischen Halter und scheinbarem Rivalen zu unterbrechen.
Die Studie wurde stark beachtet und ebenso stark kritisiert. Der zentrale Einwand: Ein bellender Stoffhund ist kein echter sozialer Konkurrent, und das beobachtete Verhalten könnte ebenso gut Spiel, Neugier oder schlichte Aufmerksamkeitssuche sein.
Bestätigung aus Ungarn und ein Blick ins Gehirn
Eine Forschungsgruppe um Ádám Miklósi in Budapest griff die Frage 2018 in Scientific Reports auf und arbeitete teils mit echten Hunden als Testpartnern. Auf Basis der funktionalen Ähnlichkeit zwischen Hund-Halter- und Mutter-Kind-Bindung gingen die Autoren davon aus, dass sich Eifersucht beim Hund ähnlich wie beim Kind auslösen lässt. Sie setzten vertraute und fremde Hunde sowie vertraute und fremde Objekte als Testpartner ein. Die Hunde zeigten mehr eifersüchtiges Verhalten, also halterbezogenes Verhalten und Versuche, Halter und Testpartner zu trennen, wenn es sich um einen sozialen statt um einen nicht sozialen Testpartner handelte. Das stützte die Grundidee, dass es die soziale Qualität des Rivalen ist, die das Verhalten antreibt.
Einen ganz anderen Zugang wählten Peter Cook und Gregory Berns an der Emory University 2018 in der Fachzeitschrift Animal Sentience. Sie nutzten Hirnbildgebung an wachen, untrainierten Hunden. Mithilfe der C-BARQ-Skala schätzten sie die Aggressivität der Hunde ein und maßen per fMRT die Aktivität in der Amygdala, einem an Aggression beteiligten Areal. Aggressivere Hunde zeigten mehr Amygdala-Aktivierung, wenn sie beobachteten, wie ihre Bezugsperson einem realistischen Stoffhund Futter gab, als wenn das Futter in einen Eimer wanderte. Interessant für die Praxis: Die Amygdala-Reaktion gewöhnte sich bei wiederholter Beobachtung ab, was wiederholte Konfrontation als mögliche Verhaltensmaßnahme bei potenziell aggressiven Hunden nahelegt.
Diese Hirnscan-Studie löste eine ungewöhnlich breite Fachdiskussion aus. Animal Sentience veröffentlichte ein ganzes Bündel kritischer Kommentare. Der Tenor: Amygdala-Aktivierung sollte nicht mit einer bestimmten Emotion gleichgesetzt, sondern breiter interpretiert werden. Die Verhaltensforscherin Karen Overall titelte ihren Kommentar provokant damit, Hunde seien nicht eifersüchtig, sie verlangten nur nach genauen Informationen. James Serpell warnte vor dem Risiko vorschneller Schlüsse und fragte, ob nicht schlicht Feindseligkeit gegenüber anderen Hunden vorliege. Donatella Marazziti vertrat die Gegenposition, nur das menschliche Gehirn besitze die kognitive Kapazität für Eifersucht.
Eifersucht auf einen unsichtbaren Rivalen: Bastos 2021
Den methodisch elegantesten Beleg lieferte 2021 die Gruppe um Amalia Bastos und Alex Taylor an der University of Auckland in Psychological Science. Ihr Ziel war zu prüfen, ob Hunde eine eifersuchtsauslösende Situation mental repräsentieren können, also auch dann reagieren, wenn sie das Geschehen gar nicht sehen. Achtzehn Hunden wurde ermöglicht, eine Interaktion zwischen Halter und einem Stoffhund oder zwischen Halter und einem Vlieszylinder zu beobachten, die hinter einer Sichtblende stattfand. Die Hunde sahen den künstlichen Hund zunächst neben dem Halter, dann verdeckte eine Barriere die Szene.
Obwohl die Sichtlinie blockiert war, versuchten die Hunde mit Nachdruck, zu ihren Haltern zu gelangen, sobald diese den Stoffhund hinter der Barriere zu streicheln schienen. Beim Vlieszylinder zogen sie deutlich schwächer an der Leine. Daraus leiteten die Autoren drei menschenähnliche Kennzeichen ab. Eifersüchtiges Verhalten trat nur auf, wenn der Halter mit einem wahrgenommenen sozialen Rivalen interagierte, es entstand als Folge dieser Interaktion und nicht durch die bloße Anwesenheit eines Artgenossen, und es zeigte sich sogar bei einer Interaktion außerhalb des Sichtfelds.
Bastos blieb bei der Deutung zurückhaltend. Es sei zu früh für die Aussage, dass Hunde Eifersucht so erleben wie wir, klar sei aber, dass sie auf eifersuchtsauslösende Situationen reagieren, selbst wenn diese außer Sicht ablaufen. Die Studie löste zugleich den verbreiteten Vorbehalt, ein wahrgenommener Rivale müsse permanent sichtbar sein.
Die Gegenstimmen: Prato-Previde und Karl
Dem steht eine Reihe von Studien gegenüber, die kein überzeugendes Eifersuchtsverhalten fanden. Besonders gründlich war die Mailänder Gruppe um Emanuela Prato-Previde, die 2018 gleich zwei Untersuchungen vorlegte, eine in Animal Cognition, eine in PLOS ONE. Prato-Previde und Kollegen stellten fest, dass die Hunde nicht nur dann aufmerksam waren, wenn der Halter einen Stoffhund behandelte, sondern auch, wenn eine fremde Person dies tat, was mit echter Eifersucht nicht vereinbar ist. Wäre es um die bedrohte Bindung gegangen, hätte der Fremde die Hunde kaltlassen müssen.
Ein methodisch wichtiger Befund betrifft die künstlichen Rivalen selbst. Mehrere Arbeiten legen nahe, dass Hunde Stoffhunde wahrscheinlich nicht als echte soziale Rivalen wahrnehmen. Damit wackelt die Grundannahme vieler positiver Studien, denn wenn der Reiz kein glaubhafter Konkurrent ist, lässt sich aus der Reaktion schwer auf Eifersucht schließen. In einer Variante mit zwei realen Hunden eines Haushalts fand die Gruppe nur einen schwachen Effekt. Der einzige nennenswerte Unterschied war, dass Hunde häufiger zu ihren Haltern blickten, wenn dem Rivalen Aufmerksamkeit zuteilwurde.
In dieselbe Richtung weist eine Wiener Studie von Sabrina Karl und Zsófia Virányi am Messerli-Institut, 2022 in der Zeitschrift Animals erschienen, mit dem treffenden Untertitel, ob Hunde sich einklinken oder unterbrechen. Obwohl im Fragebogen 70 Prozent der Halter angaben, ihr Hund zeige eifersüchtiges Verhalten einschließlich Schnappen nach dem anderen Hund, zeigten die Hunde im Experiment kein solches Verhalten gegenüber dem Stoffhund. Auch Prato-Previde fand kein Schnappen gegenüber dem künstlichen Hund, während Harris und Prouvost noch bei einem Viertel der Tiere Schnappen berichtet hatten. Die Diskrepanz zwischen Fragebogen und Beobachtung ist ein wiederkehrendes Thema dieser Forschung.
Verwandt, aber nicht dasselbe: Ungleichheitsaversion
Eng verknüpft, doch konzeptionell zu trennen, ist die Forschung zur Ungleichheitsaversion, also einem rudimentären Gerechtigkeitssinn. Friederike Range zeigte 2009 in PNAS, dass Hunde sensibel auf Ungleichheit reagieren: Sie verweigerten die Pfote, wenn nur der Partnerhund belohnt wurde, nicht aber, wenn beide etwas bekamen. Spätere Wiener Arbeiten von Brucks und Range verfeinerten das Bild. Die Reaktion auf Ungleichheit hängt unter anderem von der Impulskontrolle des Hundes ab.
Wichtig für die saubere Einordnung: Ungleichheitsaversion betrifft die ungerechte Verteilung von Belohnung, Eifersucht die Bedrohung einer sozialen Bindung durch einen Dritten. Beides sind soziale Emotionen mit möglicher Schutzfunktion, sie sollten aber nicht vermischt werden. Bezeichnend ist außerdem ein Befund aus dieser Forschungslinie. Hunde richten ihre Aufmerksamkeit eher auf Menschen als auf andere Hunde oder Objekte, was erklärt, warum der Halter im Eifersuchtskontext der eigentliche Bezugspunkt bleibt.
Theoretischer Streitpunkt: braucht Eifersucht ein Ich-Bewusstsein?
Hinter den Experimenten liegt eine grundsätzliche Frage. Eifersucht könnte sich entwickelt haben, um wertvolle soziale Bindungen vor Eindringlingen zu schützen, einige Forscher verknüpfen sie aber mit Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, woraus die Behauptung folgt, sie sei einzig dem Menschen vorbehalten. Wer Eifersucht so eng definiert, wird sie beim Hund nie nachweisen können, weil die Voraussetzungen schon definitorisch fehlen.
Die meisten aktiven Forscher umgehen dieses Problem, indem sie konsequent von eifersüchtigem Verhalten sprechen statt von Eifersucht als gefühltem Zustand. Das ist mehr als Wortklauberei. Verhalten lässt sich messen, das innere Erleben nicht. Juliane Bräuer und Federica Amici formulierten dazu zwei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssten, bevor man überhaupt von Eifersucht sprechen darf, und mahnten zur Vorsicht bei der Deutung der Stoffhund-Experimente.
Der aktuelle Stand und ein Blick nach vorn
Die jüngste Forschung verschiebt die Frage von echten Rivalen zu künstlichen Akteuren. Eine 2025 in Scientific Reports erschienene Untersuchung prüfte, ob ein Roboter abhängig von seiner Belebtheit eifersüchtiges Verhalten beim Hund auslöst, und beobachtete in eifersuchtsauslösenden Situationen bestimmte Verhaltensweisen nur dann, wenn der Halter mit einem sozialen statt einem nicht sozialen Rivalen interagierte. Auch hier blieb die individuelle Variabilität groß, ein durchgängiges Thema dieser Forschung. Nicht jeder Hund reagiert gleich, manche gar nicht.
Wie lässt sich das zusammenführen? Ein vorsichtiger Konsens zeichnet sich ab. Hunde zeigen unter bestimmten Bedingungen ein Verhalten, das mehreren Kennzeichen menschlicher Eifersucht entspricht, vor allem das Bestreben, sich zwischen Bezugsperson und Rivalen zu schieben und die Interaktion zu unterbrechen. Dieses Verhalten tritt verlässlicher auf, wenn der Rivale sozial wirkt, und es kann sogar dann erscheinen, wenn der Hund die Szene nicht direkt sieht. Ob dahinter ein subjektives Gefühl steht, das dem menschlichen Erleben ähnelt, bleibt offen. Die Befunde sind zudem nicht einheitlich, und ein zentraler methodischer Einwand, die mangelnde Glaubwürdigkeit künstlicher Rivalen, ist nicht ausgeräumt.
Für die Praxis lässt sich daraus eine nüchterne Linie ableiten. Das, was Halter als Eifersucht erleben, ist real beobachtbar und kein Hirngespinst, es beschreibt aber zuerst ein Verhalten, das dem Schutz einer wichtigen Bindung dient, und keine bewiesene Gefühlswelt. Mehrhundehalter kennen die typischen Auslöser ohnehin: das Dazwischendrängen, wenn der zweite Hund Streicheleinheiten bekommt, das Anstupsen, das Buhlen um den besten Platz. Wer diese Szenen als Konkurrenz um eine knappe Ressource versteht, nämlich die Aufmerksamkeit des Menschen, liegt näher an der wissenschaftlichen Funktionserklärung als jede Deutung über bewusste Missgunst.
Wichtigste Quellen
- Harris, C. R. & Prouvost, C. (2014). Jealousy in Dogs. PLOS ONE 9(7), e94597.
- Abdai, J. et al. (2018). Investigating jealous behaviour in dogs. Scientific Reports 8.
- Cook, P., Prichard, A., Spivak, M. & Berns, G. S. (2018). Jealousy in dogs? Evidence from brain imaging. Animal Sentience 22(1), mit zahlreichen Fachkommentaren.
- Bastos, A. P. M. et al. (2021). Dogs Mentally Represent Jealousy-Inducing Social Interactions. Psychological Science 32(5), 646–654.
- Prato-Previde, E. et al. (2018). Zwei Studien in Animal Cognition 21(5) und PLOS ONE 13(4), e0194577.
- Karl, S., Anderle, K., Völter, C. J. & Virányi, Z. (2022). Pet dogs‘ Behavioural Reaction to Their Caregiver’s Interactions with a Third Party. Animals 12(12), 1574.
- Range, F. et al. (2009). The absence of reward induces inequity aversion in dogs. PNAS 106, 340–345; sowie Brucks et al. (2016/2017) zur Ungleichheitsaversion.
- Scientific Reports (2025): Studie zu eifersüchtigem Verhalten gegenüber nicht lebenden Akteuren (Roboter).







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