
Du hast bereits alle Schritte zum Thema „Leinenführigkeit“ mit deinem Dackel probiert und trotzdem fängt er immer wieder an zu ziehen?
Bevor Du an Techniken und weiteren Tricks von YouTube Videos weiter übst, erkläre ich Dir hier und jetzt mal den wichtigsten Schritt:
Ruhe!
Viele Menschen beginnen ihren Spaziergang schon viel zu hektisch.
Der Dackel zappelt und fiept womöglich schon an der Haustür herum, bevor man überhaupt die Leine dran hat und 5 Minuten später ist er mental so drüber, dass er nicht mehr ansprechbar ist?
Dabei ist das A und O bei der Leinenführigkeit, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
Wir starten in Ruhe und Gelassenheit, der Dackel liegt im Körbchen, bis wir so weit fertig sind.
Nach dem Verlassen der Wohnung muss der Dackel nicht gleich schnüffeln und markieren, hier starten wir erstmal ganz in Ruhe mit Fusslaufen.
Und erst, wenn er fein und ruhig neben uns läuft, lassen wir die Leine länger und er darf schnüffeln, wie er möchte.
Aber nur so lange er nicht in Hektik verfällt, denn dann geht es sofort wieder mit Fuß weiter.
Ich beginne jeden Spaziergang mit Fusslaufen und beende jeden Spaziergang mit Fusslaufen.
Wenn Paul hektisch wird, geht es auch wieder ins Fuß, oder ich setze mich kurz hin, lass ihn neben mir gemütlich liegen und es geht erst weiter, wenn er entspannt ist.
Auch kleine Balancierübungen oder kleine Schüffelspiele hohlen einen Aufgeregten Hund beim Spazierengehen wieder zurück ins hier und jetzt.
Mit einen aufgeregten Dackel nützen diese ganzen Leinenführigkeitsübungen wenig, wenn er nicht lernt, sich draußen zu entspannen.
Deswegen hat Entspannung und Ruhe draußen oberste Priorität.
Natürlich können wir in der Zeit schon drinnen im Wohnzimmer alle Übungen machen, die du im
Schritt für Schritt erklärt bekommst.
Ein paar Ideen für Ruheübungen draußen:
1. Orientierungsblick zum Menschen
Ziel: Förderung der sozialen Referenzierung und Impulskontrolle
Der Dackel lernt, bei Umweltreizen aktiv Blickkontakt aufzunehmen. Du wartest ruhig ab, bis er von sich aus zu dir schaut, markierst diesen Moment und bestätigst ihn ruhig. Kein Locken, kein Ansprechen.
Fachlicher Hintergrund: Blickkontakt aktiviert beim Hund kooperative Prozesse und kann stressreduzierend wirken, unter anderem über hormonelle Mechanismen wie Oxytocin-Ausschüttung. Gleichzeitig wird der Fokus von Umweltreizen auf dich verlagert.
2. Ruhiges Stehen mit Atemübertragung
Ziel: Co-Regulation über Körpersprache und Atmung
Du bleibst stehen, lockerst deine Schultern und atmest bewusst ruhig und tief. Der Dackel steht neben dir an lockerer Leine. Kein Kommando. Du wartest, bis sich seine Muskelspannung sichtbar reduziert, etwa durch weicher werdende Körperhaltung oder ruhigeres Atmen.
Fachlicher Hintergrund: Hunde reagieren stark auf nonverbale Signale. Muskeltonus und Atemfrequenz des Menschen beeinflussen das Erregungsniveau des Dackels über soziale Synchronisation.
3. Markiertes Innehalten
Ziel: Aufbau von Selbstunterbrechung
Sobald der Dackel bei einem Reiz innehält, auch nur für eine Sekunde, markierst du diesen Moment ruhig und bestätigst ihn.
Das Innehalten ist ein zentrales Element der Impulskontrolle. Neurobiologisch betrachtet wird hier die Reaktionskette zwischen Reiz und Handlung unterbrochen, was langfristig zur Stabilisierung exekutiver Prozesse beiträgt.
4. Fokussiertes Schnüffeln auf Signal
Ziel: Aktivierung des Suchsystems als regulierende Tätigkeit
Du gibst ein ruhiges Suchsignal und streust ein bis zwei kleine Futterstücke ins Gras. Der Dackel sucht konzentriert.
Schnüffeln aktiviert beim Hund parasympathische Prozesse. Studien zeigen, dass Nasenarbeit stressregulierend wirkt und Herzfrequenz sowie motorische Unruhe reduziert. Gerade beim jagdlich motivierten Dackel ist diese Form der ruhigen Beschäftigung biologisch passend.
5. Matten- oder Deckentraining im Außenbereich
Ziel: Ortsgebundene Entspannung
Du legst eine vertraute Decke auf eine Wiese oder an den Rand eines Weges. Der Dackel kennt diese als Ruheort. Er legt sich dort ab und erhält in größeren Abständen ruhige Bestätigung.
Über klassische Konditionierung wird die Decke mit Entspannungszuständen verknüpft. Der Ortswechsel trainiert Generalisierung, also die Fähigkeit, Entspannung auch unter wechselnden Umweltbedingungen abzurufen.
6. Langsame Positionswechsel
Ziel: Motorische Verlangsamung
Du forderst den Dackel zu ruhigen Positionswechseln auf, etwa Sitz und Platz in verlangsamtem Tempo. Die Bewegungen erfolgen bewusst ruhig, ohne Dynamik oder hohe Stimmaktivierung.
Langsame Bewegungsabläufe senken das Aktivierungsniveau, da Geschwindigkeit und Erregung neurologisch eng gekoppelt sind. Das bewusste Verlangsamen wirkt regulierend.
Jetzt kommt der wichtige Punkt, und da sage ich es dir klar:
Keine dieser Übungen wirkt besonders gut, wenn du sie erst dann einsetzt, wenn der Dackel bereits im Maximallevel unterwegs ist. Erregungsregulation beginnt unterhalb der Schwelle. Training muss in moderater Ablenkung aufgebaut und systematisch gesteigert werden.
Hier hast Du noch mal weitere ausführliche Info und Trainingsideen:
Bedenke immer, das es meist wenig in der Dackelerziehung bringt, wenn man ausschließlich am Symptom erzieht, sondern die Ursache muss angegangen werden. Und das ist halt meist Unruhe, Aufregung oder Stress.







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