
Bald wird aus Luca tatsächlich ein echter Junghund und ich werden nicht mehr „Welpe“ zu den 5 Monate jungen Burschen sagen. Er hat diese Woche rasante Fortschritte gemacht und überhaupt keine Angst mehr, sich draußen zu lösen. Er hat auch richtig Spaß daran gefunden, ins Wasser zu pinkeln. Sobald er eine Wassepfütze oder einen kleinen Bach sieht, rennt er dort hin und pinkelt los. Grundsätzlich kann man ihn jetzt einfach nehmen, rausbringen und er erledigt, was zu erledigen ist. Alleinelassen übe ich viele Mal am Tag und während er am Anfang sofort gebrüllt hat, wie am Spieß, ist es nun normal geworden. Richtig weggegangen bin ich allerdings noch nie, das wollte ich morgen mal probieren. Ich bin ja im Urlaub und morgen wollte ich mal ohne ihn zum Frühstücken. Ich hab das Gefühl, das geht.
Sitz, Platz, Fuß usw kommt natürlich jetzt im Urlaub nicht dran. Aber er hat viel wichtigere Dinge gelernt: Maulkorb tragen, Bus fahren, Zugfahren und Seilbahn fahren, außerdem hat er Schnee kennen gelernt und das man auf Wegen gehen muss und nicht auf Wiesen herum laufen darf.


Wann endet die Welpenzeit?
„Wann endet eigentlich die Welpenzeit?“ – und noch dringender: „Mein Hund ist schon ein Junghund, hatte aber nie eine richtige Welpenerziehung. Ist jetzt alles zu spät?“ Beides sind Fragen, die mir als Dackelhalterin und ehemalige Hundetrainerin immer wieder begegnen. Die gute Nachricht vorweg: Nein, es ist nicht zu spät. Aber der Weg sieht anders aus, als wenn man bei null beginnt. In diesem Beitrag kläre ich, wann die Welpenzeit beim Dackel endet, was den Junghund von der Welpenphase unterscheidet – und wie du verpasste Erziehung Schritt für Schritt nachholst, ohne deinen Hund zu überfordern.
Wann endet die Welpenzeit beim Dackel?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du mit „Welpenzeit“ meinst – denn der Begriff wird im Alltag und in der Verhaltensbiologie unterschiedlich verwendet.
Biologisch entscheidend ist die Sozialisierungsphase. Sie reicht ungefähr von der 3. bis zur 16. Lebenswoche und gilt als das wichtigste Zeitfenster im ganzen Hundeleben. In dieser Zeit prägt sich der Welpe darauf, was zu seiner „normalen“ Welt gehört: Menschen, andere Hunde, Geräusche, Untergründe, Autofahrten, Stadtleben. Was der Hund hier kennenlernt und positiv verknüpft, akzeptiert er später meist mühelos. Was er verpasst, kann ihm später Unsicherheit bereiten.
Wenn man also sagt „die Welpenzeit endet“, meint man im engeren, fachlichen Sinn das Ende dieser sensiblen Sozialisierungsphase – also rund um die 16. Lebenswoche, etwa mit vier Monaten. Umgangssprachlich bezeichnen viele Menschen ihren Hund hingegen noch bis etwa zum sechsten Monat als „Welpen“, einfach weil er noch klein und tapsig wirkt.
Kurz gesagt
Die sensible Prägephase, in der Sozialisierung am leichtesten gelingt, schließt sich rund um die 16. Woche. Danach beginnt der Übergang zum Junghund. Der Hund hört damit aber nicht auf zu lernen – er lernt nur anders.
Die Entwicklungsphasen im Überblick
Damit klarer wird, wo dein Hund gerade steht, hier die Phasen der Hundeentwicklung mit ihrer ungefähren zeitlichen Einordnung. „Ungefähr“ ist dabei wörtlich zu nehmen: Jeder Hund ist individuell, und es gibt fließende Übergänge.

Wichtig für Dackelhalter: Die Wachstumsfugen der Knochen schließen sich erst mit etwa 10 bis 12 Monaten. Bis dahin ist das Skelett – und beim langgestreckten Dackelrücken ganz besonders die Wirbelsäule – noch nicht voll belastbar. Das hat direkte Folgen für die Bewegung, dazu unten mehr.
In den ersten beiden Lebenswochen, der neonatalen Phase, ist der Welpe blind und taub und vollständig auf die Mutter angewiesen. Mit der Übergangsphase in der dritten Woche öffnen sich Augen und Ohren, die ersten Schritte und die erste Welt-Erkundung beginnen. Es folgt das alles entscheidende Lernfenster: die Sozialisierungs- und Prägephase von etwa der vierten bis zur sechzehnten Woche, in der sich der Hund auf Menschen, Artgenossen, Umweltreize und Geräusche prägt.
Ab dem fünften bis sechsten Monat beginnt die Junghund- beziehungsweise Pubertätsphase, die bis etwa zum vierzehnten Monat reicht: Der Hund wird geschlechtsreif, testet Grenzen aus, zeigt „selektives Hören“, und der Jagdtrieb meldet sich. Daran schließt sich die Adoleszenz zwischen dem zwölften und vierundzwanzigsten Monat an, in der sich das Verhalten festigt und der Hund ruhiger und zuverlässiger wird. Die soziale Reife – der ausgereifte Charakter – erreicht der Hund schließlich mit etwa eineinhalb bis zweieinhalb Jahren, wobei kleinere Rassen wie der Dackel oft etwas früher so weit sind.
Wichtig für Dackelhalter: Die Wachstumsfugen der Knochen schließen sich erst mit etwa 10 bis 12 Monaten. Bis dahin ist das Skelett – und beim langgestreckten Dackelrücken ganz besonders die Wirbelsäule – noch nicht voll belastbar. Das hat direkte Folgen für die Bewegung, dazu unten mehr.
Hier noch mehr Infos: Entwicklungsphase des Welpens
Was ist mit dem Junghund? Die Pubertät beim Dackel
Sobald die Welpenzeit endet, beginnt die Phase, die vielen Haltern die meisten Nerven kostet: die Pubertät. Der Junghund wirkt plötzlich, als hätte er alles vergessen, was er gelernt hat. Der Rückruf, der eben noch saß, verpufft. Er testet Grenzen, ignoriert Kommandos und entdeckt die spannende Welt der Gerüche neu.
Beim Dackel kommt eine genetische Besonderheit hinzu: Er ist ein selbstständig arbeitender Jagdhund. Genau in der Pubertät meldet sich dieser Jagdtrieb oft erstmals deutlich – die Nase geht runter, der Hund „arbeitet“ und blendet dich kurzerhand aus. Das ist kein Ungehorsam, sondern Veranlagung. Wer das versteht, reagiert gelassener und damit erfolgreicher.
Dackel-Tipp
In der Pubertät keine Machtkämpfe führen. Bleib freundlich-konsequent, halte die Anforderungen kurz und belohne jeden Treffer großzügig. Der Eigensinn des Dackels lässt sich nicht „wegtrainieren“ – aber man kann ihn zur Mitarbeit motivieren.
Mein Junghund hatte keine Welpenerziehung – ist es zu spät?
Nein. Das ist die wichtigste Botschaft dieses Beitrags. Hunde lernen ein Leben lang. Ein Junghund, der als Welpe keine Erziehung oder Sozialisierung erfahren hat – etwa aus einer schlechten Vermehrung, aus dem Tierschutz oder weil die Vorbesitzer überfordert waren –, kann fast alles nachholen.
Zwei Dinge solltest du allerdings realistisch einordnen:
- Grunderziehung lässt sich jederzeit nachholen. Rückruf, Leinenführigkeit, Signale, Alleinbleiben – all das kann ein Junghund oder sogar ein erwachsener Hund problemlos noch lernen. Es dauert vielleicht etwas länger, weil eingeschliffene Gewohnheiten erst überschrieben werden müssen.
- Versäumte Sozialisierung erfordert mehr Geduld. Das sensible Prägefenster ist nach der 16. Woche geschlossen. Hunde, die Reize wie Stadtverkehr, fremde Menschen oder andere Hunde nie kennengelernt haben, reagieren darauf manchmal mit Unsicherheit oder Angst. Diese lässt sich abbauen – aber behutsam und in kleinen Schritten (man spricht von Nachsozialisierung).
Merksatz
Erziehung kann man fast immer nachholen. Sozialisierung lässt sich nicht „nachholen“ wie ein Schulstoff – aber man kann Sicherheit nachträglich aufbauen. Der Unterschied bestimmt dein Vorgehen.
Nachsozialisierung: So holst du Versäumtes nach
Der häufigste Fehler bei der Nachsozialisierung ist, es zu gut zu meinen: Der Hund soll möglichst schnell „alles“ kennenlernen und wird mit Reizen überflutet. Das Gegenteil ist richtig. Es geht um Dosierung und positive Verknüpfung.
Das Grundprinzip
Jeder neue Reiz sollte in einer Stärke auftreten, die dein Hund gerade noch entspannt bewältigt, und mit etwas Gutem verknüpft werden (Futter, Spiel, Lob). Bleibt der Hund unter seiner Stressschwelle und macht eine positive Erfahrung, wächst sein Vertrauen. Kippt er in Stress oder Angst, hast du die Dosis zu hoch gewählt – dann gehst du einen Schritt zurück.
Konkrete Situationen behutsam aufbauen
- Andere Hunde: Erst aus großer Distanz beobachten, dann langsam annähern. Ruhige, souveräne Hunde als „Lehrer“ sind Gold wert. Keine wilden Hundepark-Begegnungen am Anfang.
- Fremde Menschen: Den Hund nie zwingen. Menschen sollen ihn ignorieren, bis er von selbst Interesse zeigt. Leckerli vom Boden statt aus der Hand baut anfangs weniger Druck auf.
- Stadt, Verkehr, Geräusche: Mit der ruhigen Randzone beginnen – eine Bank am Stadtrand, von der aus man das Treiben beobachtet. Erst wenn das klappt, näher heran.
- Autofahren: In kurzen, positiven Etappen aufbauen, am Ende wartet etwas Schönes (ein Spaziergang, kein Tierarztbesuch).
Beim Dackel besonders wichtig
Dackel sind selbstbewusst, aber durchaus geräuschempfindlich. Lieber zehn winzige, gelungene Erfahrungen als eine große, die schiefgeht – denn eine einzige Überforderung kann eine Angst festigen, die danach mühsam aufzulösen ist.
Grunderziehung Schritt für Schritt nachholen
Parallel zur Sozialisierung baust du die Basics auf. Gehe dabei vor, als wäre dein Junghund ein Welpe – nur mit mehr Konzentrationsvermögen und längeren Trainingseinheiten. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Beziehung & Aufmerksamkeit. Bevor irgendein Kommando sitzt, muss dein Hund dich freiwillig anschauen. Belohne jeden Blickkontakt. Das ist das Fundament für alles Weitere.
- Name & Markersignal. Der Name bedeutet „schau mich an“, nicht „komm her“. Ein Markerwort (z. B. „Fein“) oder Clicker sagt punktgenau: „Das war richtig.“
- Rückruf. Anfangs nur im Haus und Garten, mit höchster Belohnung. Erst wenn er dort zuverlässig kommt, langsam in reizvollere Umgebung – beim Dackel wegen des Jagdtriebs ein Dauerthema, das viel Geduld braucht. Sicherheit geht vor: Schleppleine nutzen.
- Leinenführigkeit. In kleinen Etappen. Ziehen ignorieren bzw. stehenbleiben, lockere Leine belohnen.
- Impulskontrolle. Warten am Napf, am Türrahmen, vor dem Spielzeug. Das schult Selbstbeherrschung – beim ungeduldigen Dackel sehr wertvoll.
- Alleinbleiben. Sekunden, dann Minuten. Viele schlecht sozialisierte Hunde haben hier Defizite, die sich aber sauber aufbauen lassen.
Dackelspezifische Besonderheiten, die du beachten musst
Der Rücken hat Vorrang (IVDD)
Der Dackel ist eine chondrodystrophe Rasse mit deutlich erhöhtem Risiko für Bandscheibenvorfälle (IVDD). Das betrifft jedes Bewegungstraining – beim Junghund mit noch offenen Wachstumsfugen umso mehr. Halte dich an diese Regeln:
- Kein Springen auf und vom Sofa, ins Auto oder aus dem Kofferraum – Rampe oder Tragen nutzen.
- Treppen anfangs vermeiden bzw. tragen, später kontrolliert und langsam.
- Keine ausdauernden, einseitigen Belastungen beim wachsenden Hund. Mehrere kurze Einheiten statt einer langen.
- Gesunder Muskelaufbau schützt den Rücken – aber kontrolliert, nicht durch wildes Toben.
Das richtige Geschirr
Für den Dackel gilt: ein gut sitzendes Standardgeschirr ohne Front-Clip (Brustring vorn) oder ein maßgefertigtes Dackelgeschirr. Front-Clip-Geschirre, die die Vorderbeine beim Ziehen seitlich abdrehen, sind beim Dackelrücken tabu – sie können die Wirbelsäule schädigen. Ein Halsband zum Führen ist beim ziehenden Junghund ohnehin ungeeignet.
Wichtig
Niemals ein Front-Clip-Geschirr für den Dackel verwenden. Beim Ziehen wirken ungünstige Hebelkräfte auf die empfindliche Wirbelsäule. Nutze ein normales Geschirr ohne Brustring vorn oder ein individuell angepasstes Dackelgeschirr.
Den Jagdtrieb einplanen
Der Jagdtrieb ist kein Erziehungsfehler, sondern Rassemerkmal. Statt ihn zu bekämpfen, gibst du ihm ein erlaubtes Ventil: Nasenarbeit, Futter-Suchspiele, Schleppe oder Dummytraining. Ein ausgelasteter Dackel ist deutlich ansprechbarer.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Vieles lässt sich gut allein nachholen. In diesen Fällen solltest du dir aber Unterstützung holen:
- Dein Hund zeigt deutliche Angst oder reagiert aggressiv auf Hunde, Menschen oder Geräusche.
- Die Nachsozialisierung kommt nicht voran oder verschlechtert sich.
- Du bist unsicher, ob du Reize richtig dosierst.
Eine gute Hundeschule oder ein Trainer, der mit positiver Verstärkung arbeitet, spart Zeit und verhindert, dass sich Probleme verfestigen. Achte darauf, dass keine aversiven Methoden (Schreck, Schmerz, Einschüchterung) eingesetzt werden – gerade beim unsicheren Hund verschlimmern sie das Problem.
Das Wichtigste in Kürze
Die sensible Welpenzeit endet rund um die 16. Woche, danach folgt die Junghundphase mit Pubertät und erwachendem Jagdtrieb. Hatte dein Junghund keine Welpenerziehung, ist das kein Grund zur Sorge: Grunderziehung lässt sich jederzeit nachholen, und versäumte Sozialisierung gleichst du durch geduldige, dosierte Nachsozialisierung aus. Beachte beim Dackel immer Rücken (IVDD), das richtige Geschirr ohne Front-Clip und seinen angeborenen Jagdtrieb – dann wird aus deinem unerzogenen Junghund ein souveräner Begleiter.

Häufige Fragen (FAQ)
Wann endet die Welpenzeit beim Dackel genau?
Die biologisch entscheidende Sozialisierungs- und Prägephase endet rund um die 16. Lebenswoche, also mit etwa vier Monaten. Umgangssprachlich wird ein Dackel oft noch bis zum sechsten Monat als Welpe bezeichnet. Danach beginnt die Junghundphase.
Ist es zu spät, einen Junghund zu erziehen, der nie eine Welpenerziehung hatte?
Nein. Hunde lernen lebenslang. Grunderziehung wie Rückruf, Leinenführigkeit und Alleinbleiben kann ein Junghund jederzeit nachholen. Versäumte Sozialisierung lässt sich durch geduldige, dosierte Nachsozialisierung weitgehend ausgleichen.
Wie lange dauert die Pubertät beim Dackel?
Die Pubertät beginnt etwa im fünften bis sechsten Monat und kann bis zum zwölften bis vierzehnten Monat andauern. In dieser Zeit testet der Junghund Grenzen aus und der Jagdtrieb meldet sich häufig erstmals deutlich.
Was ist Nachsozialisierung?
Nachsozialisierung bedeutet, einem Hund nach dem Ende der Prägephase neue Reize behutsam und positiv verknüpft näherzubringen, um Unsicherheiten abzubauen. Entscheidend ist, dass der Hund jeden Reiz unterhalb seiner Stressschwelle erlebt und positive Erfahrungen macht.
Welches Geschirr ist für den Junghund-Dackel geeignet?
Ein gut sitzendes Standardgeschirr ohne Front-Clip oder ein maßgefertigtes Dackelgeschirr. Front-Clip-Geschirre sind beim Dackel ungeeignet, da sie beim Ziehen ungünstige Kräfte auf die empfindliche Wirbelsäule wirken lassen.






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