
Es fing sehr früh an. Ich war noch so klein, dass die Welt aus Teppich, Napf und Danielas Händen bestand. Und dann machte sie diese Sache. Coole Dackelsachen
Sie sagte „Paul“.
Und dann gab es einen Keks.
Dann wieder „Paul“.
Und wieder ein Keks.
Dann noch einmal „Paul“.
Und noch einmal ein Keks.
Ich stand da und tat so, als würde ich das alles analytisch begleiten, aber innerlich war ich einfach nur beeindruckt. Ein Keks für gar nichts zu tun hat eine sehr beruhigende Qualität. Da fühlt man sich direkt richtig. Auch wenn man noch nicht weiß, was richtig überhaupt bedeutet.
Nach einer Weile fiel mir auf, dass dieses Wort immer kurz vor dem Keks kommt. Das Wort war wie ein Geräusch das den Boden vorbereitet. Ich hörte es und mein Kopf machte sofort Platz für etwas Gutes.
Daniela fand das großartig.
Ich fand es auch großartig, nur aus anderen Gründen.
Sie schaute mich dabei immer an, als hätte sie gerade ein Geheimnis entdeckt. Dabei war das Geheimnis ziemlich simpel. Sie sagt ein Wort und ich bekomme Essen. Das ist keine Magie, das ist ein Vertrag.
Irgendwann änderte sie die Entfernung. Daniela saß nicht mehr direkt vor mir. Sie stand ein bisschen weiter weg. Und sie sagte wieder „Paul“.
Mein Körper ging los, bevor ich darüber nachdenken konnte. Nicht weil ich so gut erzogen war, sondern weil das Wort inzwischen eine Richtung hatte. Es zeigte auf Daniela. Und irgendwo in dieser Richtung lag sehr wahrscheinlich ein Keks.
Ich lief also zu ihr.
Keks.
Ich lief wieder weg.
Sie sagte wieder „Paul“.
Ich lief wieder hin.
Keks.
Ich begann zu verstehen, dass dieses Wort nicht nur Kekse ankündigt, sondern auch Daniela. Es war wie ein unsichtbarer Faden zwischen uns. Wenn sie „Paul“ sagte zog sie an dem Faden und ich stand plötzlich neben ihr.
Daniela war danach noch motivierter. Menschen werden gefährlich wenn etwas funktioniert. Dann wollen sie es wiederholen bis es irgendwann peinlich wird.
Sie sagte meinen Namen in allen möglichen Situationen. In der Küche, im Flur, im Wohnzimmer, sogar draußen wo die Welt voller Gerüche war die viel interessanter klangen als irgendein Wort.
Draußen wurde es dann spannend.
Da war Wind. Da waren Spuren. Da war Leben im Gras. Und Daniela stand da und sagte „Paul“ als wäre das der wichtigste Satz des Tages.
Ich hörte es natürlich.
Ich hörte es auch wirklich gut.
Nur mein Körper war beschäftigt.
Das muss man mir lassen. Ich habe mich bemüht. Ich habe nur kurz geprüft ob da hinten etwas sehr Wichtiges passiert. Nur kurz. Wissenschaftliche Gründe.
Daniela sagte wieder „Paul“.
Diesmal anders. Ein bisschen fester.
Da erinnerte ich mich plötzlich wieder an unseren Vertrag.
Ich drehte um und ging hin.
Und sie hatte tatsächlich einen Keks.
So begann ich zu begreifen, dass mein Name nicht nur ein Geräusch ist. Er ist eine Abkürzung. Er bedeutet: komm her und es lohnt sich. Manchmal lohnt es sich als Keks, manchmal lohnt es sich als Daniela, manchmal lohnt es sich einfach weil Daniela dann so aussieht als hätte sie gerade etwas richtig gemacht.
Ich lasse ihr das.
Das ist gut für die Stimmung im Rudel.

Am Anfang war es einfach. Daniela sagte „Paul“ und es gab einen Keks. Das war klar. Das war zuverlässig. Das war ein Wort mit Sinn.
Und dann wurde aus dem Wort ein Sammelbecken.
Plötzlich bedeutete „Paul“ nicht mehr nur Keks. Es bedeutete auch: guck mich mal an. Es bedeutete: sei jetzt mal hier. Es bedeutete: hör auf damit. Es bedeutete: was machst du da eigentlich. Und irgendwann war es sogar ein Schimpfwort, nur dass Daniela das natürlich nicht so nennen würde.
Sie sagte dann ein ganz strenges „Paul“.
Das war nicht das gleiche Wort.
Es klang nur zufällig so.
Ich merkte es sofort. Dieses „Paul“ hatte keine Kekskante. Es war trocken. Es war scharf. Es hatte Ecken. Es kam nicht aus der Hand, es kam aus dem Kopf. Menschen können ein Wort so aussprechen, dass man schon beim ersten Ton weiß, ob man gleich gewinnt oder ob man gerade dabei ist, etwas zu verlieren.
Ich stand dann oft da und hatte ein echtes Problem.
Mein Name war mein Name. Aber er war keine Anleitung.
Daniela sagte „Paul“ und ich wusste nur eins sicher: Jetzt will sie irgendwas von mir. Aber was genau, das musste ich aus ihr herauslesen. Aus dem Ton. Aus der Lautstärke. Aus diesem winzigen Unterschied, ob sie „Pa-ul“ sagte wie einen warmen Ruf oder „PAUL“ wie eine Tür die zufällt.
Manchmal sagte sie meinen Namen, während sie mit jemandem telefonierte. Dann sollte ich nur existieren. Vielleicht sollte ich auch nur nicht existieren. Das war schwer zu unterscheiden.
Manchmal sagte sie „Paul“, weil sie mich süß fand. Das war schön, aber auch tückisch, weil ich dann ankam, geschniegelt vor Hoffnung, und sie hatte gar keinen Keks. Nur dieses Lächeln. Als wäre das ein Ersatz.
Manchmal sagte sie „Paul“, weil ich etwas gemacht hatte, das sie „falsch“ nannte. Ich nenne es eher: konsequent dackelig.
Dann kam dieses strenge „Paul“, und ich spürte, dass mein Körper besser sofort mitdenkt. Ich wusste nur nicht in welche Richtung. Kommen? Sitzen? Aufhören? Wegschauen? Unsichtbar werden?
Der schlimmste Moment war, wenn sie meinen Namen sagte und ich schon loslief, weil ich immer noch in der Kekslogik war, und dann merkte ich unterwegs, dass das gar kein Keks-Paul war.
Das ist, als würde man eine Tür öffnen und dahinter steht nicht die Küche, sondern ein Gespräch.
Ich blieb dann oft auf halber Strecke stehen. Nicht aus Trotz. Aus Analyse.
Daniela fand das natürlich unerquicklich. Sie meinte dann, ich würde „testen“. Menschen sagen gern testen, wenn sie merken, dass ein Hund denkt.
Ich musste wirklich testen, weil das Wort allein nicht reichte. Ich musste hören, wie sie es meinte.
Mit der Zeit wurde ich gut darin.
Ich konnte schon am Atem davor erkennen, ob ein Keks-Paul kommt oder ein Augen-Paul oder ein Jetzt-ist-Schluss-Paul. Das war fast schon eine Kunst. Ich hätte damit Geld verdienen können, wenn Daniela mich nicht dauernd abgelenkt hätte.
Und trotzdem blieb ein Rest von Enttäuschung.
Weil ich dieses einfache, saubere System mochte. Wort, Keks, Welt in Ordnung.
Jetzt war das Wort ein Mehrzweckwerkzeug.
Daniela fand das praktisch.
Ich fand es anstrengend.
Aber es hatte einen Vorteil. Ich hörte meinen Namen plötzlich viel genauer. Nicht weil ich gehorsamer wurde, sondern weil ich gelernt hatte, dass dieses eine Wort Daniela in allen ihren Stimmungen tragen kann.
Und wenn man mit einem Menschen zusammenlebt, der gerne glaubt, er würde erziehen, dann ist es klug, seine Stimmung früh zu erkennen.
Das erspart einem Wege.

Das Beste daran ist ja, dass Daniela es eigentlich besser weiß.
Sie ist Hunde-Trainerin. Sie kann Dinge erklären. Sie kann Dinge sauber aufbauen. Sie kann sogar sehr überzeugend gucken, wenn sie etwas für wichtig hält. Und trotzdem passiert im Alltag genau das, was bei Menschen immer passiert.
Sie nimmt meinen Namen wie ein Schweizer Taschenmesser.
Dabei ist ein Name eigentlich etwas sehr Schönes. Ein Signal, das nur sagt: ich meine dich. Mehr nicht. Keine Aufgabe, keine Prüfung, kein Rätsel.
Aber Daniela ist eben häufig auch nur ein Mensch. Und Menschen sind im Alltag erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, sich das Leben einfacher zu machen.
Dann wird aus „Paul“ plötzlich alles.
„Paul“ heißt dann: komm her.
„Paul“ heißt: hör auf.
„Paul“ heißt: guck mich an.
„Paul“ heißt: lass das.
Und manchmal heißt „Paul“ einfach nur: ich bin gerade genervt und brauche einen Platz, an dem ich es abladen kann.
Das strenge „Paul“ ist besonders interessant. Das ist weniger ein Wort, mehr ein Zustand. Da steckt die Erwartung drin, dass ich jetzt sofort weiß, was sie eigentlich meint. Daniela nennt das Alltag. Ich nenne das Ratespiel.
Und das geht nicht nur Daniela so.
Es ist fast ein Naturgesetz im Haushalt mit Dackel. Menschen benutzen den Namen wie eine Fernbedienung. Sie drücken drauf und erwarten, dass der Dackel das richtige Programm findet.

Im Zweifel müssen wir dann herausfinden, welcher Befehl das denn sein soll.
Und das ist ganz schön schwierig.
Weil der Befehl ja nicht im Wort steckt. Der steckt im Tonfall. Im Blick. Im Atem davor. In der Körperhaltung. In diesem winzigen Unterschied, ob Daniela gerade leise ruft oder schon innerlich den zweiten Satz vorbereitet.
Manchmal laufe ich los und merke auf halber Strecke: falsches Paul. Kein Keks-Paul. Kein Komm-Paul. Eher so ein „Warum machst du das“-Paul. Dann bremse ich ab, ganz vorsichtig, und schaue sie an, als wäre ich ein aufmerksamer Hund, der nur kurz nachfragt, ob sie sich sicher ist.
Daniela findet das dann oft wenig lustig.
Ich finde es vernünftig.
Mit der Zeit wird man gut darin. Nicht, weil man erzogen ist, sondern weil man Muster erkennt. Daniela glaubt, ich höre besser. In Wahrheit lese ich sie besser.
Und Gott sei Dank sind wir Dackel nicht doof.
Wir brauchen manchmal ein paar Wiederholungen. Wir brauchen klare Situationen. Wir brauchen eine Chance, das Rätsel zu lösen. Aber wenn wir es einmal verstanden haben, können wir das ziemlich gut.
Daniela sagt dann gern: „Siehst du, Paul, du kannst das doch.“
Ich lasse sie in dem Glauben.
Menschen lernen leichter, wenn sie sich dabei klug fühlen.

Frauchen weiß aber auch, weil sie schon viele Welpen hatte und viel über Dackel weiß, dass man einen „richtigen“ Dackelrückruf richtig aufbauen muss und das könnt ihr hier genauer nachlesen Wie bringe ich meinen Dackel bei, zurückzukommen
Ich bin mittlerweile ja kein Welpe mehr, sonder fast 5 Jahre alt und beherrsche eine Menge Kommandos, auf die ich gut höre. Man sagt aber auch, dass Langhaardackel wie ich ein bisschen braver sind als Rauhhaardackel.
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