Nova Scotia Duck Toller Retriever

Meine Erfahrungen mit Tollern

Der Toller, wie der Nova Scotia Duck Tolling Retriever liebevoll genannt wird, ist kein einfacher Hund. Ich hatte damals ja ein paar Retrieverkurse in meiner Hundeschule, da kamen auch ab und zu Toller vorbei. Für das klassische Dummytraining sind sie meist nicht so gut geeignet wie ein Golden, Labbi oder Flat, aber der DRC hat extra für den Toller eigene artgerechtere Prüfungen geschaffen. Ich habe einige Toller erlebt, die es bis zur Dummy Klasse A geschafft haben, aber sie sind oft nicht leise genug. Er ist der kleinste Retriever

Steckbrief Toller

Der Hund mit dem längsten Namen unter den Retrievern ist zugleich der kleinste. Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever, von seinen Menschen fast immer nur „Toller“ genannt, sieht auf den ersten Blick aus wie ein etwas zu klein geratener, rotfuchsfarbener Golden Retriever. Wer ihn so einordnet, unterschätzt ihn gründlich. Hinter dem freundlichen Gesicht steckt ein hochspezialisierter Arbeitshund mit einer Jagdtechnik, die es bei keiner anderen Hunderasse in dieser Form gibt, mit einem Temperament, das aktive Menschen begeistert und bequeme überfordert, und mit einer genetischen Vorgeschichte, die den Toller zu einem der interessantesten Fälle moderner Rassehundezucht macht.

Ich komme selbst aus der Retrieverarbeit. Über Jahre habe ich mit einem Flat Coated Retriever Dummytraining und Apportiersport betrieben, und vieles von dem, was den Toller im Kern ausmacht, lässt sich nur verstehen, wenn man diese Arbeitswelt kennt. Genau das möchte dieser Beitrag leisten. Er beschreibt nicht nur Herkunft, Aussehen und Wesen, sondern erklärt, warum der Toller so tickt, was seine spielerische Energie in Wahrheit antreibt und worauf es bei Gesundheit, Zucht und Erziehung wirklich ankommt.

Der Toller auf einen Blick

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever gehört zur FCI-Gruppe 8, den Apportierhunden, Stöberhunden und Wasserhunden, dort in Sektion 1, den Apportierhunden mit Arbeitsprüfung. Er wird unter dem FCI-Standard Nummer 312 geführt und ist seit 1981 international anerkannt. In Deutschland betreut ihn der Deutsche Retriever Club (DRC) im VDH.

Rüden erreichen eine Widerristhöhe von etwa 48 bis 51 Zentimetern und wiegen rund 20 bis 23 Kilogramm. Hündinnen bleiben mit 45 bis 48 Zentimetern und meist knapp unter 20 Kilogramm etwas kleiner und zierlicher. Damit ist der Toller unter den sechs Retrieverrassen der kleinste, zählt aber nicht zu den Kleinhunden. Die Lebenserwartung liegt bei guter Haltung und gesunder Herkunft bei etwa 12 bis 14 Jahren. Das Fell leuchtet in allen Rottönen von hellem Goldrot bis zu tiefem Kupferrot, fast immer ergänzt durch weiße Abzeichen. Bekannt ist die Rasse außerdem unter älteren Namen wie Little River Duck Dog und Yarmouth Toller, gelegentlich hört man auch die deutsche Bezeichnung Lockhund.

Herkunft und Geschichte einer ungewöhnlichen Rasse

Die Heimat des Tollers ist die kanadische Atlantikprovinz Nova Scotia, zu Deutsch Neuschottland. Hier lohnt sich gleich eine geografische Richtigstellung, weil viele Rasseporträts den Toller fälschlich im Westen Kanadas verorten. Nova Scotia liegt im Osten des Landes, an der Atlantikküste. Die eigentliche Wiege der Rasse ist Yarmouth County im äußersten Südwesten dieser Provinz, genauer die Gegend um Little River Harbour. Von diesem Ort leitet sich der alte Name Little River Duck Dog ab.

Über die genaue Abstammung gibt es keine gesicherten Aufzeichnungen, dafür mehrere konkurrierende Erzählungen. Als am besten belegt gilt, dass um 1860 eine Hündin vom Typ des Wavy-Coated Retrievers mit einem frühen Vorläufer des Labrador Retrievers verpaart wurde und damit den Grundstein legte. Später sollen Cocker Spaniel und vermutlich Irish Setter eingekreuzt worden sein, möglicherweise auch collieartige Farmhunde, was die fuchsähnliche Erscheinung und das lebhafte Wesen erklären würde. Eine ältere Theorie sieht das niederländische Kooikerhondje als Vorfahren, das über Auswanderer nach Kanada gelangt sein könnte. Beide Rassen locken Enten durch Spiel ans Ufer, die Ähnlichkeit in Aussehen und Arbeitsweise ist auffällig. Ob eine direkte Verwandtschaft besteht, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Ich halte es für redlich, diese Herkunftsgeschichten als das zu benennen, was sie sind, nämlich plausible Rekonstruktionen und nicht als gesichertes Wissen.

Auch die romantische Version, der Toller stamme eigentlich aus dem schottischen Hochland und sei mit vertriebenen Schotten nach Neuschottland gekommen, sowie die Erzählung, indigene Gemeinschaften der Mi’kmaq hätten die tollende Jagdweise vom Fuchs abgeschaut, gehören in diesen Bereich der überlieferten, aber nicht dokumentierten Geschichte. Was gesichert ist: Die Rasse entstand im frühen 19. Jahrhundert im Umfeld der akadischen Siedler und wurde für einen sehr konkreten Zweck geformt.

Die Geschichte des Tollers verlief nicht geradlinig. Zwischen etwa 1908 und 1912 raffte eine Staupe-Epidemie viele Hunde dahin, und die kleine Population drohte auszusterben. In den 1920er Jahren begann Colonel Cyril Colwell, sich für die Erhaltung einzusetzen. 1945 erkannte der Canadian Kennel Club die Rasse offiziell an, zunächst unter dem Namen Nova Scotia Duck Tolling Retriever. 1956 galt sie erneut als beinahe verschwunden, erholte sich dann aber wieder. 1981 folgte die Anerkennung durch die FCI, und seit den 1980er Jahren ist der Toller auch in Europa bekannt. 1995 wurde er zum offiziellen Provinzhund von Nova Scotia ernannt. In seiner Heimat gilt er heute als kleines Nationalsymbol, in Deutschland bleibt er dagegen eine echte Rarität.

Was „Tolling“ wirklich bedeutet

Der mittlere Teil des Namens ist der Schlüssel zum Verständnis dieser Rasse. „To toll“ stammt aus dem Mittelenglischen und bedeutet anlocken. Gemeint ist eine Jagdtechnik, die sich beim Fuchs beobachten lässt und die der Mensch beim Toller gezielt nutzbar gemacht hat. Der Jäger versteckt sich in einer Deckung am Ufer und wirft dem Hund kleine Stöcke oder einen Ball zu. Der Toller läuft daraufhin am Wasserrand hin und her, springt, dreht sich, verschwindet kurz aus dem Blickfeld und taucht sofort wieder auf. Sein rotes Fell und die weiße Rutenspitze, die er dabei lebhaft bewegt, wecken die Neugier der Enten, die auf dem Wasser treiben. Die Vögel schwimmen näher heran, um das ungewöhnliche Schauspiel zu beobachten. Sind sie in Schussweite, ruft der Jäger den Hund zurück, erhebt sich und bringt die Enten zum Auffliegen. Nach dem Schuss apportiert der Toller das Wild zuverlässig aus dem oft eiskalten Wasser.

Diese Arbeitsweise erklärt fast alles am heutigen Toller. Der Standard verlangt ausdrücklich, dass ein Hund tollen können muss, und im Ausstellungsring werden körperliche Merkmale, die diese Arbeit behindern würden, streng bewertet. Die üppig befederte, gut sichtbare Rute ist keine Zierde, sondern Werkzeug. Die weißen Abzeichen an Rutenspitze, Pfoten, Brust und als Blesse dienen dem Reiz, den der Hund auf die Enten ausübt. Die wasserabweisende Doppelbehaarung schützt ihn beim wiederholten Eintauchen in kaltes Wasser. Und die enorme Freude an wiederholtem, ausdauerndem Apportierspiel ist genau die Eigenschaft, die den Hund für das Tolling überhaupt tauglich macht.

Wer heute einen Toller hält, hält also einen Hund, dessen ganzes Wesen auf freudiges, unermüdliches, hoch motiviertes Spiel am und im Wasser ausgelegt ist. Diese Prägung verschwindet nicht, nur weil der Hund in einer Familie ohne Jagdbezug lebt. Sie sucht sich ein Ventil, im besten Fall ein sinnvolles.

Aussehen und Rassestandard

Der Toller ist ein mittelgroßer, kompakter und gut bemuskelter Hund mit mittlerer bis kräftiger Knochenstärke. Der Standard beschreibt ihn als kraftvoll und dennoch beweglich, mit einer federnden Gangart, gutem Vortritt und schiebender Hinterhand. Der Körper wirkt ausgewogen, der Rücken ist kurz und gerade, die Lendenpartie muskulös, der Brustkorb tief und bis etwa zum Ellenbogen reichend. Auffällig ist der leicht keilförmige Kopf, der an einen Fuchs erinnern soll, mit einem freundlichen, wachen Ausdruck.

Das Fell ist mittellang, weich und von einer dichten, wasserabweisenden Unterwolle unterlegt. Am Rücken darf es leicht gewellt sein, ansonsten liegt es glatt an. An Kehle, hinter den Ohren, an der Rückseite der Oberschenkel und an den Vorderläufen finden sich weiche Befederungen. Die Farbe reicht über alle Schattierungen von Rot und Orange, von einem hellen Goldrot bis zu dunklem, kupfrigem Rot, wobei die helleren Töne tief pigmentiert und satt sein sollen. Fast jeder Toller trägt mindestens eines der typischen weißen Abzeichen an Rutenspitze, Pfoten, Brust oder Stirn. Ein sonst hochwertiger Hund wird nicht abgewertet, wenn ihm das Weiß fehlt. Buff-, braun- oder beigefarbene Hunde entsprechen dagegen nicht dem erwünschten Farbbild, auch wenn solche Farbschläge in manchen Linien vorkommen.

Ein Detail wird in vielen Porträts erwähnt und verdient eine Einordnung: der leicht traurige Gesichtsausdruck vieler Toller in Ruhephasen. Dieser Eindruck täuscht. Sobald es an die Arbeit geht, weicht die vermeintliche Melancholie einer hoch konzentrierten, fast elektrisierten Erwartungshaltung. Der „traurige Blick“ ist kein Zeichen von Unzufriedenheit, sondern schlicht die entspannte Gesichtsmimik eines Hundes, der jederzeit bereit ist loszulegen.

Wesen und Charakter

Der Toller ist intelligent, aufmerksam und außerordentlich verspielt, und diese Verspieltheit bleibt ihm bis ins hohe Alter erhalten. Der stark ausgeprägte Will-to-please, also der Wunsch, dem Menschen zu gefallen und mit ihm zusammenzuarbeiten, macht ihn grundsätzlich sehr lernfreudig. Er denkt schnell, kombiniert gern und merkt sich Abläufe zügig. Das ist ein großer Vorteil in der Erziehung, verlangt dem Menschen aber auch etwas ab, denn ein kluger Hund langweilt sich bei stumpfer Routine rasch und sucht sich dann eigene Beschäftigung.

Zugleich ist der Toller sensibel. Er reagiert fein auf Stimmungen und verträgt harte, laute oder unfaire Behandlung ausgesprochen schlecht. Ein Toller, der mit Druck oder Strenge trainiert wird, macht nicht etwa besser mit, sondern zeigt Stress, zieht sich zurück oder wirkt scheinbar stur. Diese vermeintliche Sturheit, die in manchen Beschreibungen als „schottischer Dickkopf“ verklärt wird, ist in den allermeisten Fällen kein fester Rassezug, sondern ein Kommunikations- und Vertrauensproblem. Ein Hund, der die Aufgabe nicht versteht, überfordert ist oder die Beziehung zu seinem Menschen als unsicher erlebt, blockiert. Wer die Bindung stärkt und klar, freundlich und über Motivation arbeitet, erlebt selten einen wirklich sturen Toller.

Charakteristisch ist außerdem, dass der Toller ein recht mitteilsamer, vokaler Hund ist. Er kommentiert gern, sei es die Ankunft von Besuch, die Vorfreude auf ein Spiel oder die eigene Aufregung. Sein hoher, teils schrilllauter „Toller-Scream“ in Erregung ist unter Kennern berüchtigt. Fremden gegenüber verhält er sich anfangs eher zurückhaltend und reserviert, ohne dabei aggressiv zu sein. Er zeigt Besuch durchaus lautstark an und eignet sich als aufmerksamer Melder, ist aber kein Schutzhund im eigentlichen Sinn. Mit vertrauten Menschen, anderen Hunden und oft auch mit weiteren Haustieren kommt er gut aus, sofern er gut sozialisiert wurde. Ein latenter Jagdtrieb kann vorhanden sein, ausgeprägtes Streunen oder Wildern gehört aber nicht zum typischen Bild.

Der Toller als Familienhund

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever gilt zu Recht als kinderlieb und familientauglich. Er ist geduldig, verspielt und sucht aktiv den Anschluss an seine Menschen. Ein Toller möchte mitten im Familienleben stehen und nicht am Rand. Diese enge Menschenbezogenheit hat allerdings eine Kehrseite, über die viele Rasseporträts zu leichtfertig hinweggehen. Ein Toller braucht Beschäftigung, Nähe und eine Aufgabe, sonst wird er unausgeglichen.

Hier lohnt eine ehrliche Antwort auf die häufig gestellte Frage, ob der Toller ein Anfängerhund ist. Meine Einschätzung fällt differenzierter aus als das oft gelesene „gut für Einsteiger geeignet“. Ein Toller ist kein schwieriger Hund im Sinne von aggressiv oder unberechenbar. Er ist im Gegenteil freundlich und kooperativ. Er ist aber ein anspruchsvoller Hund, weil er viel geistige und körperliche Auslastung fordert, sensibel auf Erziehungsfehler reagiert und in Erregung schnell hochdreht. Für einen Einsteiger, der bereit ist, sich intensiv einzuarbeiten, Zeit zu investieren und sich fachlich begleiten zu lassen, kann ein Toller ein wunderbarer erster Hund sein. Für jemanden, der einen unkomplizierten Begleiter für gemütliche Runden sucht, ist er die falsche Wahl.

Das Thema Alleinsein verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Weil der Toller so menschenbezogen ist, muss das Alleinbleiben früh, geduldig und in kleinen Schritten geübt werden. Ein gut trainierter, erwachsener Toller kann durchaus einige Stunden allein bleiben, oft werden vier bis fünf Stunden genannt. Ein Hund, der regelmäßig über lange Zeiträume sich selbst überlassen wird, entwickelt jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit Verhaltensauffälligkeiten. Wer viele Stunden außer Haus ist und keine Betreuung organisieren kann, wird diesem Hund nicht gerecht.

Auslastung, Beschäftigung und Hundesport

An diesem Punkt kann ich als Retrieverfrau ins Detail gehen, denn die üblichen Ratschläge greifen zu kurz. „Der Toller braucht viel Bewegung“ liest man überall, doch reine Bewegung ist gerade bei dieser Rasse keine Lösung, sondern kann sogar ein Problem werden. Ein Toller, den man täglich lange und schnell auspowert, wird nicht ruhiger, sondern fitter und gleichzeitig innerlich unruhiger. Er lernt, ständig auf Hochtouren zu laufen. Was diese Rasse wirklich braucht, ist eine Kombination aus körperlicher Bewegung, echter Kopfarbeit und dem gezielten Training von Ruhe und Impulskontrolle.

Die naheliegendste sinnvolle Beschäftigung ist die Dummyarbeit, also der moderne, tierschutzkonforme Nachbau der jagdlichen Apportierarbeit. Beim Dummytraining lernt der Hund, auf Signal zu markieren, zu suchen, verlorene Dummys über Distanz einzuweisen und Beute kontrolliert zu bringen. Für den Toller ist das die ideale Aufgabe, weil sie exakt seine Veranlagung bedient und dabei Selbstbeherrschung schult. Ein Toller, der gelernt hat, am Abwurf ruhig zu sitzen und erst auf Freigabe loszulaufen, arbeitet an genau der Impulskontrolle, die ihm sonst im Alltag fehlt. Wasserarbeit liegt ihm ohnehin im Blut, und die meisten Toller sind leidenschaftliche, ausdauernde Schwimmer, die auch kaltes Wasser lieben.

Darüber hinaus eignet sich der Toller für viele Hundesportarten, in denen Köpfchen gefragt ist, etwa Fährtenarbeit, Mantrailing, Obedience oder gut aufgebautes, gelenkschonendes Agility im Erwachsenenalter. Entscheidend ist weniger die Sportart als das Prinzip: Der Hund soll denken, mit seinem Menschen zusammenarbeiten und dabei lernen, Erregung zu regulieren. Ein zufriedener Toller ist ein Hund, der eine sinnvolle Aufgabe hatte und danach entspannt liegen kann. Die Grundlage dafür ist eine tragfähige Beziehung, die auf gemeinsamer Arbeit und guter Mensch-Hund-Kommunikation beruht, und ein durchdachter Aufbau von Motivation, statt bloßer Dauerbespaßung.

Erziehung eines sensiblen Arbeitshundes

Die Erziehung des Tollers gelingt am besten über freundliche, gewaltfreie Methoden. Diese Rasse ist wie geschaffen für positive Verstärkung, weil sie hoch motiviert mitarbeitet, sobald sie versteht, was von ihr erwartet wird. Härte ist bei diesem feinfühligen Hund nicht nur überflüssig, sie ist kontraproduktiv, weil sie Vertrauen zerstört und den Hund verunsichert. Was der Toller braucht, ist einfühlsame Konsequenz, also klare, verlässliche Regeln, die freundlich und ohne Druck durchgesetzt werden.

Zwei Themen stellen Tollerhalter erfahrungsgemäß am häufigsten vor Aufgaben. Das erste ist die Erregungsregulation. Ein Toller kann in freudiger Aufregung sehr schnell hochdrehen, dann folgt oft das laute Kreischen, hektisches Verhalten und der Verlust der Ansprechbarkeit. Hier hilft es, von klein auf gezielt Ruhe zu trainieren, Pausen in jedes Spiel einzubauen und dem Hund beizubringen, dass auf Aufregung planbar wieder Entspannung folgt. Das zweite Thema ist der Rückruf. Weil der Toller einen wachen Blick für Bewegung und einen möglichen Jagdreiz hat, sollte der Rückruf früh, geduldig und mit hoher Belohnungsqualität aufgebaut und lebenslang gepflegt werden.

Grundsätzlich ist die Erziehung eines Tollers keine Frage von Dominanz oder Unterordnung, sondern von Beziehung. Ein Hund, der seinem Menschen vertraut, der gelernt hat, dass Zusammenarbeit sich lohnt, und der weiß, was in einer Situation von ihm erwartet wird, ist ein leicht zu führender Hund. Der Toller belohnt einen kooperativen, fairen Erziehungsstil mit großer Zuverlässigkeit.

Pflege und Fellwechsel

In der Fellpflege ist der Toller angenehm unkompliziert. Sein dichtes, wasserabweisendes Doppelfell weist Schmutz gut ab, und im Alltag genügt regelmäßiges Bürsten, um loses Haar zu entfernen und das Fell in gutem Zustand zu halten. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, steht allerdings ein deutlicher Fellwechsel an. In dieser Zeit sollte häufiger gebürstet werden, um die ausfallende Unterwolle herauszuarbeiten, sonst verfilzt sie und der Hund verliert überall im Haus Haare.

Zwei Pflegepunkte verdienen wegen der Wasserfreude dieser Rasse besondere Beachtung. Die Ohren sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf vorsichtig gereinigt werden, denn häufiger Wasserkontakt begünstigt Ohrentzündungen. Ein feuchtes, warmes Ohr ist ein idealer Nährboden für Entzündungen, deshalb lohnt nach dem Schwimmen ein prüfender Blick. Ebenso sollten die Krallen im Auge behalten und bei Bedarf gekürzt werden, und eine regelmäßige Zahnpflege gehört wie bei jedem Hund dazu. Insgesamt bleibt der Pflegeaufwand aber überschaubar und stellt keinen erwähnenswerten Nachteil dieser Rasse dar.

Ernährung

Als aktiver Arbeitshund hat der Toller einen entsprechenden Energiebedarf, der sich am tatsächlichen Aktivitätsniveau orientieren sollte. Ein sportlich geführter, viel arbeitender Hund braucht mehr Energie als ein ruhiger Familienhund im mittleren Alter. Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigem Protein, die Muskulatur und Leistungsfähigkeit unterstützt, ohne den Hund zu überversorgen.

Ein zentrales Thema ist die Vermeidung von Übergewicht. Auch der bewegungsfreudige Toller kann zunehmen, wenn Futtermenge und Leckerlis nicht zur tatsächlichen Bewegung passen, und überflüssiges Gewicht belastet Gelenke, Rücken und Stoffwechsel. Da im Training viele Belohnungshäppchen zum Einsatz kommen, sollte deren Menge von der Tagesration abgezogen werden. Bei einem so wasserbegeisterten Hund empfiehlt es sich außerdem, nach ausgiebigem, hektischem Fressen und unmittelbar vor intensiver Bewegung Vorsicht walten zu lassen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

Gesundheit und rassetypische Erkrankungen

Beim Thema Gesundheit trennt sich beim Toller die Spreu vom Weizen, und hier bieten die meisten allgemeinen Rasseporträts nur ein sehr grobes Bild. Grundsätzlich gilt der Toller als robuste, langlebige Rasse. Eine oft zitierte Erhebung des kanadischen Rasseclubs aus dem Jahr 2002, an der Halter von 1180 Hunden weltweit teilnahmen, ergab, dass rund 73 Prozent der Hunde als bei ausgezeichneter Gesundheit gemeldet wurden. Häufigste Todesursache war Krebs, der in etwa einem Viertel der Todesfälle genannt wurde. In derselben Erhebung lag das durchschnittliche Sterbealter der als verstorben gemeldeten Hunde bei nur 6,4 Jahren. Diese Zahl wird oft missverstanden, deshalb ist eine ehrliche Einordnung wichtig: Sie bezieht sich auf eine gemeldete Teilgruppe verstorbener Hunde und darf nicht mit der Lebenserwartung der Rasse verwechselt werden, die deutlich höher liegt.

Die eigentliche gesundheitliche Besonderheit des Tollers ist eine Häufung von Autoimmunerkrankungen, die in dieser Kombination für die Rasse typisch ist und die viele Züchter und Wissenschaftler seit Jahren beschäftigt. Umgangssprachlich wird gelegentlich vom „Toller-Syndrom“ gesprochen, gemeint ist damit meist die immunvermittelte rheumatische Erkrankung, im Englischen immune-mediated rheumatic disease oder IMRD. Betroffene Hunde zeigen Steifheit, besonders nach Ruhephasen, sowie Lahmheiten durch eine nicht-erosive Entzündung mehrerer Gelenke, teils begleitet von Fieber. Eine schwedische Untersuchung an rund 400 Tollern ermittelte eine Inzidenz von mindestens zwei Prozent. Bei einem großen Teil der betroffenen Hunde, in manchen Auswertungen 50 bis 70 Prozent, lassen sich antinukleäre Antikörper nachweisen, wie sie auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen des Menschen vorkommen. Behandelt wird meist langfristig mit Kortikosteroiden und Schmerzmitteln.

Eng verwandt ist die steroidsensible Meningitis-Arteriitis, kurz SRMA, eine entzündliche Erkrankung der Hirnhäute und Blutgefäße, die vor allem junge Hunde betrifft. SRMA gilt als eine der häufigsten Meningitisursachen beim Hund überhaupt, und der Toller zählt zu den prädisponierten Rassen. Typisch sind starke Nacken- und Rückenschmerzen, Fieber und ein steifer Gang. Die Erkrankung spricht in aller Regel gut auf eine rechtzeitige Behandlung mit Kortison an, weshalb eine schnelle tierärztliche Abklärung bei entsprechenden Symptomen entscheidend ist.

Zur autoimmunen Gruppe gehört außerdem die juvenile Form der Addison-Krankheit, also des Hypoadrenokortizismus. Dabei stellen die Nebennieren die Produktion lebenswichtiger Hormone ein, was den Elektrolythaushalt des Körpers durcheinanderbringt. Beim Toller kann sich diese juvenile Addison-Form, im Englischen JADD abgekürzt, bereits im Alter zwischen etwa acht Wochen und zwölf Monaten zeigen, mit unspezifischen Anzeichen wie Antriebslosigkeit, Fressunlust, Erbrechen und Durchfall. Die Diagnose erfolgt über einen ACTH-Stimulationstest, und inzwischen existiert ein Gentest für die bekannte erbliche Form.

Bei den Augenerkrankungen steht die progressive Retinaatrophie im Vordergrund, eine fortschreitende Netzhautdegeneration, die zunächst zu Nachtblindheit und schließlich zur vollständigen Erblindung führt. Beim Toller ist die Form prcd-PRA relevant, für die seit 2002 ein DNA-Test verfügbar ist. Dank konsequenter Testung ist die Zahl tatsächlich erkrankter Hunde niedrig geblieben. Daneben kann die Collie-Augenanomalie, im Englischen Collie Eye Anomaly oder CEA, auftreten, eine ererbte Fehlentwicklung der Aderhaut, die ebenfalls über einen Gentest erfasst werden kann. Beide Erkrankungen werden autosomal rezessiv vererbt, was für die Zuchtplanung bedeutsam ist.

Ein vergleichsweise neu erforschtes Krankheitsbild ist die degenerative Enzephalopathie, kurz DE. Betroffene Hunde zeigen im Schlaf auffällige, unwillkürliche Bewegungen sowie im Verlauf Ängstlichkeit, erhöhte Reizempfindlichkeit, zwanghaftes Verhalten und nachlassende geistige Leistungsfähigkeit, begleitet von einer Degeneration mehrerer Hirnregionen. 2025 wurde eine ursächliche Variante im Gen RB1CC1 beschrieben, die autosomal rezessiv vererbt wird und mit gestörter Autophagie in Verbindung steht, also mit dem zellulären Aufräumsystem der Nervenzellen. In einer sehr großen Genotypisierung von fast 3000 Tollern stimmten Krankheitsbild und Genbefund vollständig überein. Damit steht auch für diese Erkrankung ein zuverlässiger Gentest zur Verfügung.

Weiter kommen im Rassespektrum Gaumenspalten vor, für deren häufigste erbliche Form die Bezeichnung CP1 gebräuchlich ist, sowie eine seltenere Variante mit kombinierter Lippen- und Gaumenspalte, im Fachjargon CLPS. Wie bei praktisch allen mittelgroßen und größeren Rassen gehört außerdem die Hüftgelenksdysplasie zu den Erkrankungen, auf die verantwortungsvolle Züchter ihre Elterntiere untersuchen lassen.

So lang diese Liste zunächst wirkt, sie soll niemanden abschrecken. Für nahezu alle genannten erblichen Erkrankungen existieren heute Gentests, und eine sorgfältige Zuchtauswahl kann das Risiko erheblich senken. Genau deshalb ist die Herkunft eines Tollerwelpen so entscheidend, wie der folgende Abschnitt zeigt.

Zuchtbasis, Inzucht und die Auskreuzungsdebatte

Die Häufung von Autoimmunerkrankungen und anderen Erbkrankheiten lässt sich ohne einen Blick auf die Populationsgenetik nicht verstehen. Der Toller ging aus einer sehr kleinen Gründerpopulation hervor, mehrfach eingeengt durch Beinahe-Aussterben und Seuchenzüge. Die Folge ist eine genetisch sehr schmale Basis. Untersuchungen der Registrierungsgeschichte in zahlreichen Ländern kamen zu einem eindrücklichen Ergebnis: Etwa 90 Prozent der genetischen Vielfalt der ursprünglichen Gründertiere sind verloren gegangen. Für zwischen 1999 und 2008 geborene Toller wurde eine effektive Gründergröße von rund 9,8 und ein durchschnittlicher Inzuchtkoeffizient von etwa 0,26 berechnet.

Diese Zahl von 0,26 ist bemerkenswert. Sie bedeutet vereinfacht, dass ein durchschnittlicher Toller genetisch etwa so eng mit einem anderen Toller verwandt ist wie Vollgeschwister untereinander. Bei einer so schmalen Basis reichern sich rezessive Krankheitsanlagen zwangsläufig an, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Welpe dieselbe Anlage von Vater und Mutter erbt. Genau dieser Mechanismus erklärt, warum ausgerechnet der Toller eine solche Ballung erblicher Erkrankungen zeigt. Es liegt nicht an einem besonderen Pech dieser Rasse, sondern an ihrer Entstehungsgeschichte.

Daraus ergibt sich eine kontrovers geführte Debatte innerhalb der Zuchtszene. Ein Teil der Züchter und Genetiker plädiert dafür, die Zuchtbasis durch eine kontrollierte Einkreuzung verwandter oder ähnlicher Rassen zu erweitern, um die genetische Vielfalt zu vergrößern und den Inzuchtdruck zu senken. Die meisten kanadischen und europäischen Zuchtverbände lehnen einen solchen Outcross bislang ab, weil sie den Erhalt des reinen Rassestandards und der typischen Arbeitsveranlagung gefährdet sehen. Beide Seiten haben nachvollziehbare Argumente. Für den Erhalt der genetischen Gesundheit spricht viel für eine behutsame Öffnung, für den Erhalt der Rasseidentität spricht die Sorge, das über Generationen Gewachsene aufs Spiel zu setzen. Ich nenne diese Debatte bewusst, weil sie zum ehrlichen Bild dieser Rasse gehört und weil künftige Tollerhalter wissen sollten, dass verantwortungsvolle Zucht hier mehr bedeutet als der bloße Nachweis einiger Gentests.

Einen Toller-Welpen finden

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist in Deutschland eine echte Rarität. Während vom Golden Retriever und vom Labrador jährlich jeweils weit über 2000 Welpen im VDH fallen, werden vom Toller pro Jahr nur etwa 70 bis 110 Welpen geboren. Wer einen Welpen aus seriöser Zucht möchte, muss sich deshalb auf Wartezeit einstellen und frühzeitig Kontakt zu Züchtern im Deutschen Retriever Club aufnehmen.

Ein Welpe aus verantwortungsvoller DRC-Zucht kostet in Deutschland meist zwischen etwa 1700 und 2500 Euro. Dieser Preis spiegelt den erheblichen Aufwand an Gesundheits- und Wesensuntersuchungen der Elterntiere wider. Angesichts der beschriebenen genetischen Belastung sollte man bei einem Toller besonders genau hinsehen. Ein guter Züchter legt die Gesundheitsergebnisse der Elterntiere von sich aus offen. Dazu gehören die Auswertung auf Hüftgelenksdysplasie, augenärztliche Untersuchungen sowie die relevanten DNA-Tests, insbesondere für prcd-PRA, CEA, die juvenile Addison-Form, die degenerative Enzephalopathie und die Gaumenspaltenvariante CP1. Er wird außerdem offen über die Verwandtschaftsverhältnisse und den Inzuchtkoeffizienten des geplanten Wurfs sprechen können und die Auskreuzungsdebatte kennen.

Von deutlich günstigeren Angeboten ohne Papiere, ohne nachweisbare Gesundheitstests oder aus dem anonymen Onlinehandel ist dringend abzuraten. Gerade bei einer Rasse mit dieser genetischen Vorgeschichte ist der Verzicht auf dokumentierte Untersuchungen ein unkalkulierbares Risiko für Gesundheit und Wesen des Hundes. Ein niedriger Kaufpreis wird hier oft mit hohen Tierarztkosten und großem Leid teuer bezahlt. Wer sich unsicher ist, wie sich seriöse Zucht von unseriösen Angeboten unterscheiden lässt, findet in unserem Bereich zur Beziehung zwischen Mensch und Hund und rund um verantwortungsvolle Anschaffung weiterführende Orientierung.

Passt ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever zu mir?

Der Toller ist ein außergewöhnlicher Hund für Menschen, die bereit sind, sich auf ihn einzulassen. Er passt zu aktiven Einzelpersonen und Familien, die gern Zeit im Freien und am Wasser verbringen, die Freude an gemeinsamer Arbeit mit dem Hund haben und die ihm täglich sowohl körperliche Bewegung als auch echte Kopfarbeit bieten können. Wer Dummytraining, Apportiersport oder eine andere anspruchsvolle Beschäftigung betreiben möchte, findet in ihm einen begeisterten und lernfreudigen Partner, der bis ins Alter jung im Kopf bleibt.

Weniger geeignet ist er für Menschen, die sich einen ruhigen, genügsamen Begleithund wünschen, die viele Stunden am Tag außer Haus sind oder die einen Hund suchen, der sich weitgehend von selbst beschäftigt. Der Toller ist menschenbezogen, sensibel und mitteilsam, und er möchte gebraucht werden. Ein unterforderter oder häufig allein gelassener Toller wird nicht glücklich, und ein unglücklicher Toller entwickelt Probleme.

Wer diese Anforderungen ehrlich mit den eigenen Lebensumständen abgleicht und sich für den anspruchsvolleren Weg entscheidet, bekommt einen der charmantesten, klügsten und arbeitsfreudigsten Hunde, die die Retrieverwelt zu bieten hat. Der kleine rote Kanadier mit dem langen Namen belohnt jede investierte Stunde mit Lebensfreude, Verbundenheit und einer Begeisterung fürs gemeinsame Tun, die ansteckend ist. Für die richtigen Menschen ist der Toller nicht einfach ein Hund, sondern ein echter Gefährte.

Ich bin Daniela mit Dackel Paul

Willkommen in meinem Dackelblog, der eine Ergänzung zu der Website

Dackelwissen.de ist. Auch bin ich Autorin von mehreren Dackelbüchern

Mehr von mir und Dackel Paul