
Ich sitze hier gerade vor meinem Schachbrett und denke mir, wenn Menschen schon unbedingt spielen wollen, dann doch bitte so, mit Köpfchen, mit Konzentration und mit einem gewissen Maß an Würde, denn nichts bringt einen Dackel schneller aus dem inneren Gleichgewicht als diese merkwürdige Vorstellung, man müsse ständig etwas werfen, aufziehen oder durch die Wohnung rasen lassen, damit das Zusammenleben als „artgerecht“ gilt.
Frauchen hat das mit dem Ball genau einmal ausprobiert. Einmal. Sie warf, ich lief hinterher, brachte das Ding zurück und während sie erneut zum Wurf ausholte, habe ich sie nur angesehen und mich ernsthaft gefragt, ob sie vergessen hat, das ich den eben schon geholt hatte. Ich bin schließlich kein persönlicher Assistent für sinnlos weggeworfene Gegenstände. Wenn sie den Ball möchte, darf sie ihn gern selbst holen. Seitdem haben wir dieses Thema einvernehmlich beendet. Alles andere wäre auch eine Beleidigung an meine Intelligenz geworden
Ich verstehe ja, was Menschen dabei fühlen. Ein Hund rennt begeistert los, kommt mit glänzenden Augen zurück, atmet schnell, ist voller Energie, und das sieht nach Freude aus. Doch ein Dackel, der immer wieder in dieses Hochdrehen geschickt wird, lernt vor allem eines: Bewegung ist Signal, Reiz ist Einladung, alles, was fliegt oder huscht, verdient sofortige Aufmerksamkeit. Und dann steht man draußen auf der Wiese und wundert sich, weshalb derselbe Hund plötzlich jedes Fahrrad kommentiert, jedem Vogel hinterherblickt und in der Leine hängt, als hinge sein Lebenszweck am nächsten bewegten Punkt am Horizont.
Ich hatte das Glück, mit anderen Dingen groß zu werden. Mit Suchspielen, bei denen meine Nase arbeiten durfte, mit kleinen Denkaufgaben, bei denen ich mich konzentrieren musste, mit Spielzeug, das nicht kreischend durch die Wohnung schoss, sondern Geduld verlangte. Das fühlt sich anders an, ruhiger, klarer, strukturierter. Mein Kopf wird dabei angenehm müde, nicht überdreht. Meine Energie bekommt eine Richtung, statt sich unkontrolliert zu verteilen.
Diese elektrisch rasenden Spielzeuge, die plötzlich lossurren und quer über den Boden flitzen, mögen für Menschen unterhaltsam aussehen, doch für einen jagdlich veranlagten Dackel sind sie nichts anderes als eine Einladung, das innere Jagdprogramm dauerhaft auf höchste Stufe zu stellen. Wer regelmäßig auf diesen Knopf drückt, darf sich später nicht wundern, wenn draußen jede schnelle Bewegung denselben Mechanismus auslöst. Das ist kein Charakterproblem, das ist trainierte Erwartung.
Ein Dackel braucht Aufgaben, die ihn ernst nehmen. Er braucht Beteiligung, Klarheit und einen Rahmen, in dem er denken darf. Wenn ich etwas suche, wenn ich eine Spur ausarbeite, wenn ich ein Intelligenzspiel löse oder mit Frauchen gemeinsam ein kleines Ritual durchspiele, dann fühle ich mich gebraucht und verbunden. Dieses Gefühl trägt weit mehr zur Ausgeglichenheit bei als hundert geworfene Bälle.
Menschen verwechseln oft Erregung mit Freude. Nur weil ein Hund schnell rennt und stark reagiert, heißt das nicht, dass sein Nervensystem dabei entspannt bleibt. Dauerhafte Reizsteigerung führt nicht zu innerer Ruhe, sondern zu Gewöhnung an immer mehr Tempo. Und dann beginnt der Kreislauf: Man spielt mehr, weil der Hund noch aufgedrehter wirkt, und er wird noch schneller, noch lauter, noch reaktiver, weil sein System gelernt hat, dass Geschwindigkeit der Normalzustand ist.
Ich persönlich bevorzuge Spiele, bei denen ich am Ende klar im Kopf bin. Spiele, bei denen ich nachdenken durfte und danach ruhig neben Frauchen liege, statt noch eine Stunde lang imaginäre Bälle im Wohnzimmer zu suchen. Und wenn wir schon etwas werfen, dann höchstens einen prüfenden Blick über das Schachbrett, während ich mir überlege, ob ich ihr diesmal den Läufer nehme oder ihr aus reiner Großzügigkeit noch einen Zug schenke.
Unnötige Spiele sind nicht solche, bei denen man sich bewegt, sondern solche, bei denen man das Denken abschaltet und nur noch auf Reize reagiert. Ein Dackel ist kein Bewegungsmelder mit Fell. Er ist ein kluger, eigenständiger Charakter mit einem ausgeprägten Jagdinstinkt und einem erstaunlich klaren Gespür für Sinn oder Unsinn.
Frauchen hat aber Gottseidank was geschrieben über vernünftige Spiele für den Dackel über Beschäftigung für den Dackel und sogar auch etwas über Apportieren für Dackel. Letzteres ist ja meine persönliche Lieblingsbeschäftigung. Apportieren könnte ich am liebsten jeden Tag machen, aber ich darf das nur wenn ich ruhig bin und still sitze. Früher ist mir ja schnell mal ein fiepen rausgerutscht oder sogar ein aufgeregtes „Wuff“, aber dann durfte ich nicht los, um das Dummy zu holen. Fand ich erst ja unfair, denn das Fiepen ist wirklich….ich schwöre….ganz von selber aus meiner Kehle gerutscht. Aber Frauchen hat mir so bei gebracht, das nur Ruhe und Gelassenheit zum Erfolg führen. Standruhe heißt das, im englischen Steadiness.







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