Braucht ein Dackel eine Begleithundeprüfung?

Ich war ungefähr sieben oder acht Monate alt, als Daniela plötzlich beschloss, dass ich jetzt eine Karriere brauche. Ich sage bewusst ungefähr, weil in dem Alter Tage eher nach Gerüchen sortiert sind als nach Kalendern. Es gab die Phase mit dem feuchten Laub. Die Phase mit dem fremden Nachbarshund, der nach Angst roch. Und dann gab es meine persönliche Lieblingsphase. Ich konnte das Beinchen heben.

Das war kein kleiner Entwicklungsschritt. Das war ein Ereignis. Es fühlte sich an wie ein neuer Hebel am Leben. Schnüffeln, Beinchen heben, schnüffeln, Beinchen heben. Der Tag hatte endlich Struktur. Es gab Ziele. Es gab Pfosten. Es gab Kanten. Es gab diese eine Stelle am Zaun, wo ich schon beim Hinlaufen wusste, dass sie eine Botschaft verdient hatte.

Hier kannst Du aber schon mal lesen, was Du machst, wenn Dein Dackel an der Leine zieht: Dackel zieht an der Leine

Daniela nannte das Pubertät. Ich nannte es Kompetenz.

Und genau in diese Zeit hinein platzierte sie die DTK Begleithundeprüfung. Das klang wie etwas, das man aus Versehen mitbestellt, wenn man eigentlich nur Käse wollte. Deutscher Teckelclub sagte sie. DTK sagte sie. Begleithundeprüfung Dackel sagte sie in einem Tonfall, der vermuten ließ, dass ich gleich verstehen würde, worum es geht.

Du kannst das ganze hier genauer nachlesen

Begleithundeprüfung für Dackel

Ich verstand nur, dass wir plötzlich zu eine Wiese fuhren, die nach vielen Pfoten roch. Und nach Dackel. Das war immerhin ein Argument. Dackel sind selten unauffällig. Sie stehen nicht einfach da. Sie stehen da und haben eine Meinung.

Der Platz war groß. Viel zu groß für meine damaligen Pläne. Ich hatte anderes zu tun. Ich musste meinen Namen in die Welt schreiben. Daniela aber wollte, dass ich im Kreis laufe. Im Kreis. Neben ihr. In einem Tempo, das sich exakt nach ihrem Schritt richtete. Ich erinnere mich noch an meinen Blick zu ihr. Der war höflich. Er sagte ungefähr:

Daniela, ich verstehe den Impuls, aber ich bin hier wegen der Geruchslage.

Dann kamen die Übungen. Sitz. Platz. Fuß. Sachen, die ich als kleiner Welpe schon konnte. Ich hatte das damals gemacht, weil alles neu war und ich mich gerne überraschen ließ. Jetzt war ich kein Welpe mehr. Jetzt konnte ich Beinchen heben. Da passt es nicht, dass man sich auf einem Hundeplatz wie ein braver Anfänger benimmt.

Daniela sah das anders. Sie stellte sich hin und gab Signale, die sie offensichtlich für glasklar hielt. Ich sah ihre Hand. Ich hörte ihre Stimme. Ich registrierte auch, dass alle Menschen auf diesem Platz auf merkwürdige Weise gleichzeitig ernst und gespannt wirkten. Als würden sie auf eine Theaterprobe warten, bei der ausgerechnet ich die Hauptrolle bekommen hatte.

Ich machte erst mit. Nicht aus Überzeugung. Eher aus Höflichkeit. Ich lief ein Stück im Kreis. Ich setzte mich. Ich stand auf. Ich machte sogar kurz Fuß. Dann drehte ich den Kopf und roch etwas, das eindeutig wichtiger war als alles, was Daniela gerade wollte. Ich machte einen Schritt zur Seite.

Daniela korrigierte. Ich korrigierte innerlich zurück.

Irgendwann wurde mir klar, dass das hier länger dauern würde. Und dass Daniela nicht vorhatte, mir einfach das Feld zu überlassen. Also traf ich eine erwachsene Entscheidung. Ich legte mich hin. Nicht irgendein Hinlegen. Ich schmiss mich auf den Boden wie ein Dackel, der seine Würde retten muss. Ich wälzte mich auf den Rücken und blieb liegen. Pfoten in der Luft. Blick nach oben. Komplett tatenlos.

Das war mein Kommentar zur Begleithundeprüfung Dackel. Ein stiller Protest. Sehr effizient. Ich dachte, die Sache wäre damit beendet.

Daniela dachte das nicht.

Sie ging nicht weg. Sie schimpfte auch nicht groß. Sie stand einfach da, mit dieser Ruhe, die sie manchmal hat, wenn sie schon einen Plan im Kopf sortiert. Dann griff sie in ihre Tasche. Und ich hörte ein Geräusch, das meine Weltordnung kurz ins Wanken brachte.

Käsewürfel.

Das ist der Moment, wo ein Hund merkt, dass Prinzipien zwar schön sind, aber Käse real ist. Daniela hielt den Käse nicht hoch wie eine Trophäe. Sie hielt ihn so, als wäre es das Normalste der Welt, dass man auf einer Wiese im Kreis rennt, um anschließend Käse zu bekommen. Ich blieb noch einen Augenblick auf dem Rücken liegen, nur um die Dramaturgie zu wahren. Dann drehte ich mich um und stand auf.

Ich lief im Kreis. Ich machte Sitz. Ich machte Platz. Ich machte Fuß. Ich machte das alles mit einer Haltung, die klar sagte, dass ich das hier nur wegen der Käsewürfel tue. Daniela war glücklich. Ich war pragmatisch.

So wurde die DTK Begleithundeprüfung zu einem merkwürdigen Vertrag zwischen uns. Sie bekam ihre Übungen. Ich bekam Käse. Und zwischendurch bekam ich genug Raum, um weiterhin Beinchen heben zu können. Nur eben nicht auf dieser Wiese. Die Begleithundeprüfung für Dackel ließ sich offenbar mit Pubertät kombinieren, solange niemand so tat, als wäre das Training wichtiger als die Gerüche.

Dann kam der Tag der Prüfung. Das Wort Prüfung war in Danielas Stimme ein bisschen größer als sonst. Auf dem Platz war alles noch ernster. Menschen standen anders. Leinen klangen anders. Sogar die Luft fühlte sich an, als hätte sie Regeln.

Ich machte, was ich konnte. Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Aber zuverlässig genug, dass Daniela am Ende so strahlte, als hätte ich gerade die Welt gerettet. Und dann passierte etwas, das ich bis heute nicht ganz verstehe.

Sie bekam einen Pokal.

Einen Pokal kann man tragen. Man kann ihn hochhalten. Man kann ihn irgendwo hinstellen, wo er Staub sammelt. Man kann aber nicht daraus fressen. Dafür war dieses Ding viel zu hoch und unbequem. Ich sah diesen Pokal und dachte nur, dass ein normaler Napf wenigstens einen Zweck hat.

Daniela freute sich trotzdem. Sie freute sich so sehr, dass ich kurz vergaß, dass ich die ganze Zeit eigentlich andere Interessen hatte. Ich setzte mich neben sie und schaute zu ihr hoch. Ich machte das nicht, weil ich den Pokal respektierte. Ich machte es, weil ihre Freude etwas in mir beruhigte. Wenn Daniela glücklich ist, dann ist die Welt leiser. Und ein leiser Tag ist ein guter Tag.

Nach der DTK Begleithundeprüfung war ich wieder frei. Ich schnüffelte. Ich hob das Beinchen. Ich machte meine Runden. Ich war zufrieden. Ich dachte, das Kapitel Begleithundeprüfung Dackel wäre jetzt abgeschlossen wie ein ordentlicher Aktenordner.

Daniela dachte das wieder nicht.

Irgendwann kam sie mit dem nächsten Ort. Diesmal hieß es DRC Begleithundeprüfung. Deutscher Retriever Club sagte sie. DRC sagte sie. Und ich roch schon im Auto, dass es diesmal anders war.

Keine Dackel.

Stattdessen Retriever. Viele. Große. Freundlich. Diese Sorte Hund, die aussieht, als hätte sie nie beschlossen, auf dem Rücken liegen zu bleiben, um ein System zu kritisieren.

Meine wirkliche Familie!

Viele sagen, ich sei ein Flat im Dackelpelz. Das lag einfach daran, dass ich mit einem Flat groß geworden war.

Es traf mich plötzlich hart in meiner Dackelseele. Floyd.

Floyd war mein großer Bruder, als ich Welpe war. Ein Retriever mit einem Geruch nach Ruhe und nach etwas, das ich damals nicht benennen konnte.

Er war einfach da. Er war groß. Er war freundlich. Er hatte mir gezeigt, wie man neben einem großen Hund klein sein kann, ohne sich klein zu fühlen. Und dann war er irgendwann verschwunden. Es war dramatisch. Einfach weg.

Frauchen war tagelang nicht die selbe, sie weinte, ich leckte ihr die Tränen aus dem Gesicht und war auch traurig.

Floyd kam nie wieder. Ich war jetzt Einzelkind.

Für mich blieb die Erinnerung an Floyd und die unfassbare Freude jedesmal, wenn ich auch Flats traf.

Mein Bruder Floyd

Auf dem Retrieverplatz waren plötzlich lauter Verwandte von Floyd. Ich erkannte es sofort. Nicht, weil sie gleich aussahen. Sondern, weil dieser Geruch nach gutmütiger Selbstverständlichkeit wieder da war. Ich begrüßte sie herzlich. Einige wirkten überrascht, dass ein Langhaardackel so selbstverständlich zwischen ihnen herumläuft, als gehöre er dahin. Ich gehörte dahin. Ich hatte schließlich Floyd gekannt. Ich war ihr kleiner Bruder und hier wollte ich mich nicht blamieren.

Und dann begann wieder dieses Kreislaufen.

Ich sah Daniela an. Sie sah mich an. Wir wussten beide, dass wir diesen Film schon einmal gesehen hatten. Aber diesmal war etwas anders.

Meine Pubertät war nicht mehr so wichtig. Das Beinchenheben war längst Alltag. Es war immer noch eine schöne Tätigkeit, aber es war nicht mehr mein einziger Lebensinhalt. Ich hatte inzwischen verstanden, dass Daniela manchmal Dinge tut, die ihr etwas bedeuten. Und dass es für mich gar nicht so schlimm ist, wenn ich mich darauf einlasse, solange ich dabei nicht meine Würde verliere.

Außerdem war da diese Retriever Energie. Sie waren motiviert. Sie waren freundlich. Sie waren manchmal ein bisschen zu begeistert von allem. Das färbte ab. Wenn neben dir ein Retriever geschniegelt ins Fuß läuft, als wäre das eine gute Idee, dann denkt selbst ein Dackel kurz darüber nach, ob man das nicht auch mal probieren könnte. Einfach so. Aus Neugier.

Die DRC Begleithundeprüfung war wieder ein seltsamer Begriff. Wieder Regeln. Wieder Übungen. Wieder dieses Gefühl, dass Menschen gern Dinge benennen, damit sie wichtig wirken. Aber im Training selbst passierte etwas, das ich nicht erwartet hatte.

Es machte Spaß.

Nicht jeder Moment. Nicht jede Wiederholung. Aber das gemeinsame Arbeiten hatte plötzlich einen Rhythmus. Daniela war klar. Ich war klar. Die Retriever waren da wie eine große freundliche Kulisse. Und ich merkte, dass ich inzwischen nicht mehr gegen alles protestieren musste, nur um zu zeigen, dass ich ein Dackel bin. Ich war ein Dackel, auch wenn ich im Kreis laufe.

Ich trainierte freudig mit. Ich lief neben Daniela. Ich machte Sitz. Ich machte Platz. Ich machte Dinge, die ich früher Kinderkram genannt hätte. Und ich merkte, dass Kinderkram manchmal einfach nur Grundlagen sind, die man später in schönerer Verpackung wieder trifft.

Daniela war zufrieden. Nicht so explodierend wie beim Pokal im DTK. Eher ruhig stolz. Das ist eine Form von Freude, die ich besonders mag. Sie ist nicht laut. Sie hält lange.

Wenn ich heute an die Begleithundeprüfung Dackel im DTK denke, dann sehe ich mich noch auf dem Rücken liegen. Pfoten in der Luft. Voller Überzeugung, dass Stillstand ein starkes Argument ist. Und wenn ich an die DRC Begleithundeprüfung denke, dann sehe ich mich zwischen Retrievern stehen und spüre kurz wieder Floyd. Als hätte jemand eine alte Tür geöffnet und frische Luft hineingelassen.

Die Begleithundeprüfung Prüfung im DRC durften wir dann jedoch wegen ein paar seltsamen Regel nicht mit machen, wir absolvierten diese dann in einem Schäferhund Verein, was auch wieder seltsam war, aber naja.

Mit den Retriever durfte ich aber meine Dummy Prüfungen machen.

Alle Jagdhunderassen die in einen FCI angehörigen Verein gezüchtet wurden, dürfen im DRC Dummy Prüfungen und Workingtest machen.

Weniger streng geregelt ist der GRC, also der Golden Retriever Club, die nehmen auch Hunde ohne Papiere. Auch ist dort die DummyPrüfung wesentlich einfacher und man darf als Dackel dort auch 250 gr Dummy tragen.

Wenn ihr euch schon mal einlesen wollt zum Thema apportieren, dann findet ihr hier was:

Apportieren Schritt für Schritt

Daniela hat damals bekommen, was sie wollte. Prüfungen. Training. Urkunden.

Ich bekam auch etwas. Käsewürfel. Zeit. Und dieses stille Wissen, dass Daniela manchmal einfach nur glücklich werden möchte. Wenn ich ihr dabei helfen kann, ohne meine eigenen Pläne ganz aufzugeben, dann ist das ein fairer Tausch.

Danach ging ich wieder schnüffeln. Ich hob das Beinchen. Ich hatte Freizeit. Und irgendwo stand dieser Pokal. Immer noch viel zu hoch für einen Napf. Immer noch völlig unpraktisch. Aber Daniela schaut ihn manchmal an wie andere Menschen auf ein Foto schauen, das sie an etwas erinnert.

Ich kann das akzeptieren.


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4 Kommentare zu „Braucht ein Dackel eine Begleithundeprüfung?“

  1. Avatar von Monika

    Lese all deine Artikel, komme aber irgendwie nicht zum Üben mit Xana. Freue mich jetzt aber auf das Training im Dackelklub.
    Was ist eigentlich damals mit Floyd passiert?
    Viele liebe Grüße
    Monika🥰🥰

    1. Avatar von Daniela Dührkop

      Floyd hatte ganz doll Krebs und musste eingeschläfert werden 😢die beiden waren nur 3 Monate zusammen

      1. Avatar von Monika

        Es ist immer schlimm, wenn man einen treuen Begleiter gehen lassen muss. Als wir im Herbst 2024 unseren Langhaardackel Susi einschläfern lassen mussten, war ich wochenlang neben der Spur. Sie hatte Leberkrebs.
        Es ist erst besser geworden, als Xana zu uns kam.
        LG🥰🥰

      2. Avatar von Daniela Dührkop

        Aber sie bleiben immer im Herzen

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