Antijagtraining Dackel

Frauchen, da steht Wild

Warum das Anzeigen von Wild im Anti-Jagd-Training beim Dackel bestätigt werden sollte

Ein wichtiger Bestandteil im Anti-Jagd-Training beim Dackel bleibt für mich immer: Der Dackel wird bestätigt, wenn er Wild anzeigt.

Gerade beim Dackel wird dabei oft vergessen, was in diesem Moment eigentlich passiert. Er rast vielleicht noch gar nicht los. Er hetzt vielleicht noch nicht. Er steht plötzlich still, hebt die Nase, spannt den Körper an, schaut in eine bestimmte Richtung, zieht die Rute anders oder wirkt mit einem Mal hochkonzentriert. Der ganze kleine Hund sagt dann: Da ist etwas.

In meinem Dackelbuch findest Du noch viele weitere Schritt für Schritt Anleitungen

Und genau dieser Moment ist Gold wert.

Denn ein Dackel, der Wild anzeigt, kommuniziert. Er sagt im Grunde: „Frauchen, da vorne ist etwas. Ich habe es bemerkt.“ Bei einem jagdlich veranlagten Dackel ist das keine kleine Macke am Wegesrand. Es ist ein Teil seiner Veranlagung. Dackel wurden für jagdliche Arbeit gezüchtet, für Nase, Mut, Hartnäckigkeit und selbstständiges Arbeiten. Viele Dackel nehmen Witterung unglaublich fein wahr. Sie lesen Spuren, kontrollieren Gebüschkanten, registrieren Wildwechsel und bemerken Bewegungen, die wir Menschen erst sehen würden, wenn das Reh schon höflich winkend über den Weg spaziert.

Für das Anti-Jagd-Training ist diese frühe Anzeige entscheidend. Lange bevor ein Dackel losrennt, passiert schon sehr viel. Er nimmt Witterung auf. Er richtet sich aus. Er friert vielleicht kurz ein. Er fixiert eine Stelle. Er spannt sich. Genau hier beginnt Training. In diesem Moment ist der Dackel oft noch erreichbar. Er befindet sich noch vor dem Punkt, an dem der Körper komplett auf Jagdmodus schaltet.

Darum ist es so wichtig, diese Anzeige innerlich anders zu bewerten.

Der Dackel zeigt Wild. Er macht im Grunde das, wofür seine Nase gebaut wurde. Er liefert eine Information. Wenn ich ihn in diesem Moment anschreie, anmeckere oder hektisch unterbreche, bekommt er für seine Mitteilung Ärger. Für viele Dackel ist das ziemlich unlogisch. Sie haben etwas bemerkt, sie zeigen es und der Mensch wird laut. Manche Dackel lernen daraus eher: Wild ist aufregend, Frauchen wird angespannt und beim nächsten Mal regle ich das schneller selbst.

Viel klüger ist es, dem Dackel zu zeigen: Ich habe verstanden, was du mir sagst.

Das kann ganz schlicht klingen. „Danke, gesehen.“ Oder: „Ja, ich hab’s. Gute Nase.“ Oder, mein persönlicher Lieblingssatz: „Ich habe zur Kenntnis genommen, dass deine Nase so toll ist.“

Das klingt vielleicht ein bisschen bekloppt, aber genau diese Haltung verändert das ganze Training. Der Dackel wird wahrgenommen. Er bekommt eine Antwort. Er muss mit seiner Entdeckung allein weitermachen, sondern kann sie an seinen Menschen abgeben. Aus „Ich habe Wild gefunden und muss da jetzt hin“ wird Schritt für Schritt: „Ich zeige es meinem Menschen, der Mensch übernimmt und ich bekomme dafür Anerkennung.“

Anerkennung heißt dabei natürlich: Der Dackel darf nicht zum Wild. Aber zeigen, was er entdeckt hat. Genau darum geht es ja im Anti-Jagd-Training. Die Bestätigung ersetzt den Jagderfolg. Der Dackel bekommt für das Anzeigen eine soziale Rückmeldung, ein ruhiges Lob, eventuell einen Marker, ein paar Futterstücke, eine kleine Suche am Boden, einen Futterbeutel, einen kontrollierten Apport oder eine andere passende Aufgabe. Wichtig ist, dass die Belohnung zum Dackel passt. Viele Dackel wollen mit der Nase arbeiten. Eine kleine Futtersuche im Gras kann deshalb viel sinnvoller sein als ein hektisches Leckerli vor die Nase zu halten.

Für mich ist das Anzeigen deshalb kein Fehler des Dackels. Es ist ein Geschenk im Training.

Ein Dackel, der anzeigt, gibt mir Zeit. Ich sehe, wohin seine Aufmerksamkeit geht. Ich kann die Leine ruhig aufnehmen. Ich kann stehen bleiben. Ich kann atmen. Ich kann leise bestätigen. Ich kann ihm sagen: „Ja, gesehen. Tüchtig. Komm, wir machen jetzt etwas anderes.“

Das ist ein völlig anderer Ton als dieses hektische „Nein! Aus! Hierher! Lass das!“ Genau damit laden viele Menschen die Situation erst richtig auf. Der Dackel spürt die Spannung, das Wild wird noch wichtiger und der Mensch verliert in diesem Moment an Ruhe.

Ruhige Bestätigung heißt: Ich nehme deinen Impuls ernst, aber ich habe die Entscheidung, was nun gemacht wird.

Beim Dackel ist das besonders wichtig, weil viele Dackel jagdlich sehr wach sind. Sie nehmen Witterung auf, verfolgen Spuren, kontrollieren Gebüschkanten, Mauselöcher, Wildwechsel und jedes geheimnisvolle Rascheln mit einer Ernsthaftigkeit, als hätten sie gerade eine große wissenschaftliche Entdeckung gemacht. Und ja, in gewisser Weise haben sie das auch. Diese Hunde wurden über Generationen für ihre Nase, ihre Beharrlichkeit und ihre selbstständige Arbeit geschätzt.

Darum bringt es wenig, so zu tun, als sei diese Anlage ein Erziehungsfehler.

Sie gehört zum Dackel. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.

Das Anzeigen zu bestätigen bedeutet: Wir arbeiten mit dem Dackel. Wir nutzen den Moment, in dem er noch ansprechbar ist. Wir machen aus seiner Begabung eine Kommunikation. Wir sagen ihm: „Ja, ich sehe, was du siehst. Ich glaube dir. Deine Nase ist großartig. Und jetzt bleiben wir zusammen.“

Für den Dackel ist das eine faire Botschaft. Er wird weder beschämt noch hochgepusht. Er bekommt eine klare Antwort. Seine Leistung wird gesehen. Gleichzeitig bleibt der Weg zum Wild geschlossen.

Genau dieser Spagat ist für mich Anti-Jagd-Training im besten Sinne. Der Dackel darf seine Wahrnehmung zeigen. Er darf stolz sein. Er darf melden. Aber er lernt: Anzeigen lohnt sich mehr als Losstürmen.

Und das ist der Punkt, der dauerhaft bleibt. Egal, wie weit das Training fortgeschritten ist. Wenn mein Dackel Wild wahrnimmt und mir das zeigt, bekommt er eine Antwort. Immer. Vielleicht nur ein leises „Danke, gesehen“. Vielleicht ein ruhiges Lob. Vielleicht eine kleine Suchaufgabe. Vielleicht einfach meine Hand an der Brust, ein Moment Ruhe und dann gehen wir gemeinsam weiter.

Denn am Ende will ich keinen Dackel, der innerlich explodiert und äußerlich irgendwie gehorcht. Ich will einen Dackel, der mit mir kommuniziert.

Und wenn ein jagdlich veranlagter Dackel mir Wild anzeigt, dann ist das erst einmal genau das: Kommunikation.

„Frauchen, da ist was.“

„Ja, mein Schatz. Ich hab’s gesehen. Deine Nase ist der Knaller. Und jetzt kommst du mit mir.“

Wichtig zu wissen: Denke immer an einen GPS Tracker für Deinen Dackel und an eine gute Krankenversicherung oder Operationsversicherung


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6 Kommentare zu „Antijagtraining Dackel“

  1. Avatar von Beate Heider
    Beate Heider

    Was ist wenn mein Dackel Autos verfolgen will und sein Leben riskiert. Wie kann ich ihm das abgewöhnen?
    Er ist total nervös im Straßenverkehr und lässt sich nicht ablenken oder beruhigen

    1. Avatar von Daniela Dührkop

      Da würde ich tatsächlich eine Leine empfehlen

      1. Avatar von Beate Heider
        Beate Heider

        Dank, das auf jeden Fall. Aber seist total stressig mit ihm an einer befahrenen Straße zu gehen.

      2. Avatar von Daniela Dührkop

        Wollen sie mich mal anschreiben unter d.duehrkop@t-online.de?
        Dann helfe ich ihn gerne.

  2. Avatar von Beatrix Scharnagl
    Beatrix Scharnagl

    Genau so haben wir es geschafft! Leo bleibt stehen und schaut, ich sage leise „Oh, ein Hase! Fein Leo! Wir gucken aber nur!“ Und er bekommt 3-4 Leckerlies, mit kleiner Pause dazwischen, dadurch unterbricht er sein Starren. Und wenn das Wild weg ist vom Weg gehen wir langsam weiter, er darf dort schnüffeln, wo es zurück in den Wald ist und ich sage „Da ist der Hase rein gell? Fein Leo!“
    Es ist sooo toll, wenn man entspannt spazieren gehen kann, ich bin echt stolz auf Leo dass er das schafft 😊

    1. Avatar von Daniela Dührkop

      So wie Du er beschreibst ist es Mega. Genauso machen wir das auch

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