
Dackel und Jagdtrieb
Der Dackel bewegt sich durch die Welt in erster Linie über seine Nase. Was für uns Menschen der Blick ist, ist für ihn der Geruch. Schnüffeln gehört deshalb zu den grundlegendsten Verhaltensweisen eines Hundes. Es ist kein beiläufiges Nebenprodukt beim Spaziergang, sondern eine zentrale Form der Orientierung. Wer mit einem Dackel unterwegs ist, erlebt schnell, wie intensiv er Spuren liest, Gerüche verfolgt und kleinste Veränderungen in seiner Umgebung wahrnimmt.
Die Ursache liegt in der biologischen Ausstattung des Hundes. Die Hundenase besitzt mehrere hundert Millionen Riechzellen und verarbeitet Gerüche in einem eigenen Teil des Gehirns. Ein großer Anteil der Sinnesverarbeitung beim Hund steht im direkten Zusammenhang mit Geruchsinformationen. Während Menschen ihre Umwelt überwiegend visuell erfassen, entsteht beim Hund ein detailliertes „Geruchsbild“ der Umgebung. Jeder Weg, jede Wiese und jeder Baum enthält für ihn Informationen darüber, welche Tiere dort unterwegs waren, wann sie dort waren und in welcher Stimmung sie sich befanden.
Beim Dackel kommt eine weitere Besonderheit hinzu. Diese Rasse wurde über viele Generationen für die Jagd gezüchtet. Dackel arbeiteten traditionell in der Baujagd oder auf der Spur von Wild. Ihre Aufgabe bestand darin, Geruchsspuren aufzunehmen, diese über längere Strecken zu verfolgen und daraus Bewegungsmuster von Tieren zu erkennen. Diese genetische Veranlagung prägt das Verhalten bis heute. Ein Dackel, der draußen intensiv schnüffelt, nutzt genau die Fähigkeiten, für die seine Rasse ursprünglich selektiert wurde.
Ein weiterer Bereich, in dem Gerüche eine zentrale Rolle spielen, ist die soziale und sexuelle Orientierung. Hunde hinterlassen an vielen Stellen Duftmarken, die Informationen über Geschlecht, Gesundheitszustand und Fortpflanzungsstatus enthalten. Beim Schnüffeln liest ein Hund diese Botschaften wie eine Art Nachrichtensystem seiner Umgebung. Besonders Rüden reagieren stark auf Gerüche von läufigen Hündinnen, doch auch kastrierte Tiere oder Hündinnen selbst nutzen diese Informationen zur Einordnung anderer Hunde in ihrem Umfeld.
Schnüffeln erfüllt deshalb mehrere Funktionen gleichzeitig. Es ermöglicht Orientierung, liefert soziale Informationen und aktiviert rassespezifische Fähigkeiten. Für den Dackel ist diese Form der Nasenarbeit ein elementarer Bestandteil seines Verhaltensrepertoires. Spaziergänge bestehen aus seiner Perspektive nicht nur aus Bewegung, sondern vor allem aus intensiver Geruchsarbeit, bei der er seine Umgebung liest und interpretiert.
Hier hast Du schon mal ein paar Ideen, wie Du den Dackel artgerecht auslasten kannst
Merke: um so mehr Du Deinen Dackel kontrollierst über angeleitetes Suchen auslastest, um so weniger wird er unkontrolliert Spuren verfolgen.
Drei mal in der Woche für 10-20 Minuten reicht vollkommen aus.
Wie man den Spaziergang regeln könnte
In der Praxis zeigt sich beim Dackel jedoch sehr deutlich ein weiterer Punkt, der vielen Haltern Schwierigkeiten macht. Sobald ein Dackel intensiv schnüffelt, arbeitet seine Nase auf Hochtouren. In diesem Moment befindet sich der Hund gedanklich vollständig in der Spur. Seine Aufmerksamkeit liegt auf Geruchsinformationen am Boden, auf Duftmarken anderer Hunde oder auf den Spuren von Wild. Für den Menschen wirkt es dann oft so, als sei der Hund überhaupt nicht mehr ansprechbar.
Das hat einen einfachen Grund. Schnüffeln ist für den Hund eine hochkonzentrierte Tätigkeit. Während er Gerüche analysiert, blendet er andere Reize weitgehend aus. Ansprache, Blickkontakt oder Signale des Menschen erreichen ihn in dieser Phase häufig kaum noch. Der Dackel befindet sich dann gewissermaßen in seiner eigenen Geruchswelt.
Viele Halter versuchen in solchen Momenten, den Hund ständig wieder anzusprechen oder weiterzuziehen. Dadurch entsteht jedoch oft ein zäher Spaziergang, bei dem der Hund immer wieder stehen bleibt und der Mensch permanent versucht, ihn aus der Spur herauszuholen. Beide Seiten arbeiten dann gegen unterschiedliche Interessen.
Hilfreicher ist ein anderer Blick auf den Spaziergang. Statt jede Minute zu kontrollieren, lässt sich der Spaziergang in verschiedene Abschnitte gliedern. Es gibt Strecken, in denen ihr euch gemeinsam bewegt, einfach nebeneinander lauft und die Umgebung erkundet. In diesen Phasen liegt der Fokus auf gemeinsamer Bewegung und auf der Verbindung zwischen dir und deinem Hund.
Daneben können bewusst gewählte Abschnitte entstehen, in denen der Dackel seine Nase intensiv einsetzen darf. Dort darf er Spuren lesen, Duftmarken untersuchen und sich Zeit lassen. Während dieser Phase arbeitet er konzentriert mit seiner Nase und benötigt dabei kaum Ansprache. Viele Hundehalter erleben sogar, dass der Hund nach solchen Schnüffelphasen wieder deutlich aufmerksamer wird.
Ein Spaziergang erhält dadurch eine klare Struktur. Es gibt gemeinsame Bewegung und es gibt Zeiten für intensive Nasenarbeit. Der Dackel kann seine rassetypischen Fähigkeiten ausleben und gleichzeitig bleibt der Spaziergang eine gemeinsame Aktivität zwischen dir und deinem Hund.
Der Sinn eines Spaziergangs ist somit also nicht, dass der Hund die ganze Zeit schnüffelt oder markiert. Es kommt auch darauf an, wie er das macht.
Sortieren wir das mal auf:
Das Spuren verfolgen:
Spuren verfolgen passiert meist im Wald. Der Dackel setzt sein Nase auf eine Spur und verfolgt diese wie im Film, während ihr nur noch als Gast an der Leine hängt.
Ganz ehrlich? Wenn euer Dackel nicht gerade Jagdhund ist, dann darf er das gar nicht! Er darf Spuren auf Kommando verfolgen, strickt ritualisiert wie hier beschrieben: Nasenarbeit, aber nicht, wie ihn gerade zumute ist. Wenn so eine Spur im Wald gefunden wird, und er die absolut verfolgen will, nehmt ihr ihn ins Fuß und wenn er brav ein paar Meter Fuß gelaufen ist, darf er zu Belohnung Leckerli suchen, aber ordentlich mit dem Kommando „Such“.
Was können wir denn bezüglich Schnüffeln erlauben?
Dazu zeige ich mal ein Video:
Paul ist an der 5 m Leine, schnüffelt, markiert und dackelt zufrieden weiter. Das darf er an der Schleppleine und im Freilauf so oft wie er möchte.
An der kurzen Leine, also quasi wenn er „Fuß“ geht, darf er das nicht, aber es gibt viele Strecken pro Spaziergang wo er das darf.
Was er nicht darf: lecken und Schmatzen/ Zähnklappern, darauf achte ich sehr und gehe dann forsch weiter. Das ist ein Zeichen, dass er die Progesteronwerte umliegender Hündinnen testet und das führt nur zu schlaflosen Nächten.
Was im Rahmen erlaubt ist: Konkurenzanalyse
Dabei schnüffelt der Hund von verschiedenen Seiten an einer Pipistelle, oft geht es damit einher, dass er sich nicht so recht entscheiden kann, welche Bein er zum markieren nimmt. Das darf er kurz mal machen, aber wenn er sich nun nach sagen wir so 10 Sekunden nicht entschieden hat, gehen wir weiter.
Bedenke: dadurch nimmst Du Deinen Hund die Entscheidung ab, ob er nun markieren soll oder nicht, und wir haben ja schon in verschiedenen Beiträgen gelernt, dass es gut ist für den Hund, wenn er nicht zu viel alleine entscheiden muss.
Zuviel Entscheidungen für den Hund verursachen Stress.
Falls ihr Fragen dazu habt, schreibt es gern in die Kommentare







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