Rückruf aus der Hundegruppe

Über Gruppendynamik, innere Konflikte und warum Du Deinen Hund aus Sozialkontakten besser abholst, als zurückrufst

Vielleicht wolltest du deinem Dackel einfach ein bisschen Sozialkontakt ermöglichen.

Du kennst die anderen Hunde, sie sind freundlich und sozial.

Dein Dackel spielt auch fröhlich mit den anderen, es wird gerannt und getobt.

Du weißt aus der Hundeschule, dass Du darauf achten sollst, dass dein Dackel nicht verfolgt wird und du siehst, das alles in Ordnung ist, mal rennt dein Dackel hinten, mal vorn. Keine Spur von Mobbing, aufreiten oder Maßregelungen zu erkennen. Deinen Dackel geht es offensichtlich gut, er freut sich über den Hundekontakt.

Genau in solchen Situationen könnte aber ein Moment auftauchen, der leicht mal zu übersehen ist:

Dein Dackel schaut dich an, leckt sich mit der Zunge übers Maul, schüttelt sich, beschwichtigt bei den anderen Hunden oder fängt an herumzualbern oder Kreise zu rasen.

Bei Paul weiß ich immer sofort: wenn der anfängt im Kreis zu rasen, dann ist er mental völlig drüber. Das ist nicht lustig oder spaßig, auch wenn es so aussieht. Dann braucht er Unterstützung von mir.

Hundekontakte sind kein neutraler Raum. Sie sind ein soziales Feld, in dem Erregung, Nähe, Distanz, Konkurrenz und Kooperation gleichzeitig wirksam sind. Studien zum Sozialspiel beschreiben, dass stabiles Spiel häufig durch Gegenseitigkeit gekennzeichnet ist. Rollen wechseln, Abstand entsteht zwischendurch von selbst, beide Individuen behalten Einfluss auf Intensität und Tempo. Solange diese Balance besteht, reguliert sich die Situation weitgehend selbst.

In vielen Spielsequenzen ist Verfolgung Bestandteil des normalen Interaktion, insbesondere wenn sie wechselseitig geschieht. Beschleunigt ein Hund abrupt und baut Distanz auf, reagieren andere häufig mit Nachsetzen. Dieses Nachsetzen ist nicht zwangsläufig aggressiv gemeint. Es ist Teil des Bewegungsrepertoires. In hoch aktivierten Konstellationen kann es jedoch dazu führen, dass der Druck auf den ausweichenden Hund zunimmt.

Nun ist das so, dass viele Dackelbesitzer durchaus diesen Moment erkennen, wenn der Dackel nicht mehr in der Gruppe sein möchte und rufen ihn also zurück.

Dummerweise kommt er nicht, obwohl der Rückruf eigentlich sitzt. Nun passiert oft eine fatale Fehlinterpretation der Situation:

Der Besitzer denkt: „ach dann hab ich wohl falsch geguckt und er will gar nicht da weg“

Ich Spoiler mal: du hast richtig geschaut, aber dein Dackel kann nicht aus dieser Situation heraus!

Wird in dieser Situation gerufen, entsteht eine zusätzliche Anforderung. Der Dackel soll sich eigenständig lösen und aktiv Distanz herstellen.

Das heißt aber in Hundegruppen oft: Der Spielpartner verhält sich asozial und wenn die anderen Hunde auch nur minimale Inkompetenzen im Sozialverhalten haben, würde euer Dackel in diesen Moment verprügelt werden, auf den Rücken gerollt oder zumindest massiv gemaßregelt werden.

Kluge Dackel wissen das.

Das heißt:

Er würde gerne kommen, da er die Situation, in der er sich gerade befindet, absolut überfordernd findet, er kann aber nicht….aus Angst vor Sanktionen.

Das heißt:

Wir müssen in dieser Situation unseren Dackel aus der Gruppe abholen. Wir gehen hin, vertreiben die anderen Hunde und blocken sie massiv.

Gerade für kleinere oder körperlich unterlegene Dackel kann das bedeutsam sein. Sie stehen in gemischten Gruppen oft anderen Größen und Temperamenten gegenüber. Wenn sie lernen, dass ihr Blick wahrgenommen wird und dass ihr Mensch in anspruchsvollen Momenten Verantwortung übernimmt, entsteht eine andere Qualität von Beziehung. Bindungsstudien beschreiben den Menschen als soziale Sicherheitsbasis. In Situationen erhöhter Anspannung kann die Nähe zur Bezugsperson Stress modulieren und Orientierung geben.

Das bedeutet nicht, dass jeder Blickkontakt sofortiges Eingreifen verlangt. Es bedeutet jedoch, dass dieser Moment Beachtung verdient. Wer beginnt, Spiel nicht nur als Bewegung, sondern als Kommunikation zu betrachten, wird früher reagieren. Nicht erst, wenn ein Konflikt offen sichtbar wird, sondern dort, wo sich Feinheiten verändern.

Viele sogenannte „nicht abrufbare“ Hunde zeigen vor dem Nicht-Kommen bereits eine Phase der Orientierung. Sie haben längst kommuniziert, nur wurde es nicht als solches erkannt. Wer diesen Zusammenhang versteht, verschiebt den Fokus vom Gehorsam auf das soziale Geschehen.

Ich rufe Paul mittlerweile gar nicht mehr aus dem Sozialspiel ab. Ich beobachte das Spiel und wenn ich merke, es wird ihn zu viel, gehe ich hin, vertreibe die anderen und hole ihn in gesicherten Raum ab.

Das ist stärkt Vertrauen und die Bindung.

Lieber einmal zu früh abgeholt, als zu spät.

Ich möchte meinen Hund nie in die Situation bringen, dass er irgendwas alleine regeln muss.

Wenn Du gerne mehr wissen möchtest zu diesen Thema: mein Buch „Die B Formel“ erklärt Dir genau diese Situationen Schritt für Schritt.


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2 Kommentare zu „Rückruf aus der Hundegruppe“

  1. […] Hier noch weiterlesen: Rückruf aus der Hundegruppe […]

  2. […] Lese hier weiter Rufen aus der Hundegruppe […]

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