
Katzenklappe für den Dackel – praktische Lösung oder selbstgemachtes Problem?
Die Idee klingt zunächst genial: Eine Katzenklappe in der Terrassentür und der Dackel kann selbst entscheiden, wann er raus oder rein möchte. Kein Türöffnen mehr. Kein ständiges Aufstehen. Kein „Kannst du bitte mal die Tür aufmachen?“.
Viele Menschen stellen sich das ungefähr so vor:
Der Dackel spaziert gemütlich in den Garten, schnuppert ein bisschen, legt sich irgendwann in die Sonne und kommt später wieder rein.
In der Vorstellung wirkt das sehr entspannt. In der Realität sieht es häufig ganz anders aus.
Warum der Dackel plötzlich ständig raus will
Viele Halter glauben irgendwann, ihr Dackel möchte den ganzen Tag in den Garten. In Wirklichkeit haben sie ihm dieses Verhalten selbst beigebracht.
Der Ablauf ist meistens immer derselbe:
Der Dackel steht vor der Tür.
Der Mensch öffnet.
Der Dackel geht raus.
Nach zwei Minuten steht er wieder vor der Tür.
Der Mensch öffnet erneut.
Dieser kleine Ablauf wiederholt sich evtl täglich, ich kenne Leute die machen manchmal zehn, zwanzig oder noch häufiger die Tür für ihren Dackel auf und zu.
Der Hund lernt dabei sehr schnell: Tür aufgehen funktioniert hervorragend, ich brauche nur Bescheid zu geben.
Das Problem ist nicht der Garten.
Das Problem ist das Ritual.
Der Dackel hat gelernt, dass ein kurzer Blick zur Tür genügt und der Mensch reagiert sofort. Dabei gibt es dafür keinen Grund, es genügt, wenn ein Hund 3-4 mal am Tag draußen ist.
Was Dackel tatsächlich im Alltag brauchen
Viele Menschen unterschätzen, wie ruhig der Alltag eines Hundes normalerweise ist. Ein gesunder erwachsener Dackel verbringt den größten Teil des Tages mit Schlafen, Dösen und Beobachten. Genau genommen 18-20h am Tag.
Und wenn wir 2 h am Tag spazieren gehen und vielleicht noch 20-30 Minuten irgendwas mit Beschäftigen machen, dann ist da eigentlich gar kein Spielraum mehr für Gartenaktivitäten.
Die eigentliche Aktivität soll gemeinsam mit Herrchen oder Frauchen stattfinden: beim Spaziergang, beim Schnüffeln, beim Erkunden der Umgebung. Das ist wichtig für die Bindung
Der Garten ersetzt diese Spaziergänge nicht.
Die Sache mit dem Garten
Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Garten für Hunde großartig ist. Besonders dann, wenn Menschen dort selbst viel Zeit verbringen.
Wer im Garten arbeitet, pflanzt, umgräbt oder einfach draußen sitzt, erlebt oft einen sehr glücklichen Dackel. Viele graben begeistert kleine Löcher, beobachten alles ganz genau oder liegen einfach in der Nähe und genießen die Sonne.
In solchen Momenten ist der Garten ein gemeinsamer Lebensraum.
Etwas anderes ist es jedoch, wenn der Hund alleine draußen unterwegs ist.
Dann übernehmen viele Dackel plötzlich neue Aufgaben:
Sie kontrollieren den Zaun.
Sie reagieren auf jedes Geräusch.
Sie kommentieren vorbeigehende Menschen oder andere Hunde.
Oder sie entdecken plötzlich ihre Leidenschaft für ausgedehnte Buddelprojekte.
Für manche Hunde wird der Garten dadurch eher ein Arbeitsplatz als ein Entspannungsort.
Katzenklappe im Alltag – häufig mehr Stress als Freiheit
Eine Katzenklappe wirkt auf den ersten Blick wie eine praktische Lösung. In vielen Haushalten führt sie jedoch zu einem ziemlich hektischen Tagesablauf.
Der Hund läuft hinaus.
Er hört etwas. Bellt herum und ist unter Stress.
Er läuft wieder hinein.
Zwei Minuten später wieder hinaus.
Dieses permanente Hin und Her kann erstaunlich viel Unruhe erzeugen. Gerade temperamentvolle Dackel geraten schnell in eine Art Wachmodus und fühlen sich plötzlich für alles zuständig, was draußen passiert.
Statt Ruhe entsteht dann Dauerbetrieb.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen:
Natürlich existieren auch Dackel, die mit einem Garten sehr gelassen umgehen.
Manche Dackel gehen bei schönem Wetter hinaus, suchen sich ein sonniges Plätzchen und liegen dort stundenlang völlig zufrieden. Sie beobachten die Umgebung, dösen vor sich hin und genießen einfach den Tag. Sie machen also das gleiche drinnen, wie sie auch draußen machen würden.
Aber auch dass erklärt nicht die Sinnhaftigkeit einer Katzenklappe, denn das ermöglicht man, wenn überhaupt, einmal am Tag und dafür kann man auch einfach die Tür öffnen
Die wichtigere Frage ist eine andere
Bevor man über eine Katzenklappe nachdenkt, lohnt sich eine andere Überlegung.
Warum möchte der Dackel eigentlich ständig raus?
Das kann folgende Gründe haben:
Der Dackel hat Stress, Unruhe, Schlafmangel
Der Dackel hat eine Reizblase/ Reizdarm ( wegen Stress)
Nicht genügend ausgelastet, also zu wenig artgerechte Beschäftigung
Gewohnheit
Bevor wir also über eine Katzenklappe nachdenken, wäre der erste Schritt mal zu analysieren, wo die Problemlage ist.

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