
Warum Dackel ihre Schnauze ins Wasser stecken und Blubberblasen machen
Wer mit einem Dackel am See steht, kennt vermutlich dieses Bild: Dein Dackel watet ein paar Schritte ins flache Wasser, bleibt stehen, senkt den Kopf und steckt die Schnauze unter die Oberfläche und pustet ins Wasser. Dann kommen diese kleinen Blubberblasen, kreisförmige Wellen, ein konzentrierter Blick. Minutenlang. Bei Paul ist das ein regelmäßiges Ritual. Es wirkt, als würde er sich die Schnauze waschen.
Nase waschen und durchspülen😀. Es ist auch immer das allererste, was er mach, sobald er Wasser sieh. Schnauze bis zum Rand der Augen ins Wasser und dann bewegt er den Rüssel hin und her und blubbert im Wasser herum, meiner Meinung nach, weil er die Sache mit den Blubberblasen total cool findet.
Da hab ich das mal recherchiert und das Ergebnis sagt, die Dackel waschen nicht ihre Schnauze, sondern sie schnüffeln:
Was hier passiert, hat mit der eigentlichen Stärke des Dackels zu tun: seiner Nase.
Der Dackel ist ein spezialisierter Nasenarbeiter. Seine ursprüngliche Aufgabe lag unter der Erde, in engen Bauen, in feuchtem Boden, ohne Sicht. Dort zählt nur eines: Geruch bis ins Detail auswerten. Diese Fähigkeit bringt er vollständig mit an den See.
Wasser ist für Gerüche ein völlig anderes Medium als Luft. Duftstoffe lösen sich, verteilen sich anders, bleiben oft länger in bestimmten Schichten stehen. Gerade im Uferbereich entsteht eine Art Sammelzone. Alles, was ins Wasser gelangt, Pflanzenreste, Tiere, Schlamm, setzt sich dort ab und bildet ein dichtes Geruchsfeld. Für uns unscheinbar. Für den Dackel hochinteressant.
Wenn er nun die Schnauze unter Wasser hält, macht er im Grunde nichts anderes als an Land: Er liest Informationen. Nur eben in einer anderen Umgebung.
Das Blubbern ist dabei kein Spiel. Es hat eine Funktion. Durch das Ausatmen ins Wasser entstehen kleine Strömungen direkt vor der Nase. Diese Bewegung löst Partikel und verteilt sie neu. Der Hund bekommt dadurch mehr Geruchsinformation in kurzer Zeit. Man kann sich das vorstellen wie ein gezieltes „Nachschärfen“ einer Spur.
Auffällig ist dabei die Ruhe. Der Dackel bleibt oft an einer Stelle stehen, bewegt sich kaum, arbeitet sich Zentimeter für Zentimeter durch diesen Bereich. Dieses Verhalten passt exakt zu seiner genetischen Ausrichtung. Er arbeitet präzise, ausdauernd und mit hoher Konzentration.
Das erklärt auch, warum man dieses Verhalten bei anderen kleinen Hunderassen kaum sieht. Viele sind stärker visuell orientiert oder reagieren auf Bewegung. Selbst wasserfreudige Hunde wie Retriever nutzen das Wasser anders. Sie sind in Bewegung, apportieren, schwimmen. Der Dackel dagegen bleibt stehen und arbeitet.
Der Eindruck von „Schnauze waschen“ entsteht durch die Bewegung selbst. Die Nase geht unter Wasser, es entstehen Blasen, der Hund taucht wieder auf. Für uns sieht das nach Reinigung aus. Tatsächlich fehlt ein entscheidendes Merkmal: das Reiben. Ein Hund, der sich wirklich säubern will, bewegt die Schnauze seitlich, nutzt Untergrund, geht über verschiedene Stellen. Dieses gezielte, punktuelle Eintauchen mit Fokus auf einen Bereich gehört nicht dazu.
Ein kleiner Anteil an sensorischem Reiz spielt trotzdem mit hinein. Wasser auf der Nase, an den Tasthaaren, an der Haut ist intensiv. Viele Hunde finden das angenehm oder zumindest interessant. Beim Dackel trifft dieser Reiz auf eine hohe Bereitschaft, sich in solche Tätigkeiten zu vertiefen. Daraus entsteht diese fast meditative Wirkung, die man oft beobachten kann.

Auch der Körperbau unterstützt das Verhalten. Mit seinen kurzen Beinen steht der Dackel genau in der richtigen Höhe, um die Übergangszone zwischen Wasser und Boden zu nutzen. Diese Zone ist besonders geruchsintensiv. Größere Hunde sind oft zu tief im Wasser oder bleiben am Rand. Der Dackel arbeitet genau dort, wo die meisten Informationen liegen.
Am Ende sieht man den Dackel im Wasser stehen und blubbern.
In Wirklichkeit sieht man einen hochspezialisierten Nasenarbeiter, der gerade ein komplexes Geruchsfeld auswertet.
Deshalb wirkt das so typisch. Es ist schlicht der Dackel in seiner reinsten Form.
Was meint ihr denn? Schreibt doch mal in die Kommentare, ob ihr denkt, Sie schnüffeln unter Wasser oder ob sie die Schnauze waschen oder kühlen wollen oder ob das einfach lustig ist. Macht euer Dackel das überhaupt?
Können Dackel überhaupt pusten?
Streng genommen können Dackel natürlich Luft ausstoßen. Sie atmen aus, schnauben, hecheln und können auch mal ein deutliches „Huff“ machen. Was sie biologisch nicht beherrschen, ist das gezielte menschliche Pusten, also einen feinen Luftstrahl mit vorgestülpten, dicht schließenden Lippen zu formen. Genau dafür fehlen ihnen die anatomischen Voraussetzungen. Bei Hunden ist die Lippenmuskulatur anders gebaut und anders genutzt als beim Menschen. Der Musculus orbicularis oris liegt zwar auch beim Hund ringförmig um die Lippen, die Hundelippen sind aber anatomisch auf Fassen, Lefzenbewegung, Mimik und Nahrungsaufnahme ausgelegt, nicht auf präzises Abdichten und Formen einer kleinen Luftöffnung. Auch der Buccinator stabilisiert eher die Wangen und den Mundraum, als dass er ein menschliches Pusten ermöglichen würde.
Dazu kommt die Art, wie Hunde Luft nutzen. Bei Wärme läuft die Atemregulation vor allem über Hecheln. Dabei strömt Luft großflächig über Zunge, Mund- und Nasenraum, damit Verdunstungskälte entsteht. Das ist das genaue Gegenteil von einem gebündelten Luftstrahl. Hunde, auch Dackel, sind also nicht „zu doof zum Pusten“, sondern schlicht anders gebaut. Die Anatomie ihres Mauls ist für Atmung, Thermoregulation und Kommunikation optimiert, nicht für Kerzen auspusten.
Aber wie machen sie Blubberblasen, wenn sie nicht pusten können?
Wenn ein Dackel am Wasser steht und scheinbar „Blubberblasen pustet“, wirkt das auf den ersten Blick wie eine gezielte Fähigkeit. Tatsächlich steckt dahinter eine Kombination aus Anatomie, Atmung und Physik, die nichts mit menschlichem Pusten zu tun hat.
Ein Dackel kann Luft ausstoßen, aber er formt keinen gebündelten Luftstrahl über die Lippen. Die Lippen sind weich, beweglich und bleiben immer leicht geöffnet. Es fehlt die feine Abdichtung, die beim Menschen einen schmalen, gerichteten Luftstrom ermöglicht. Genau deshalb klappt Kerzen auspusten oder gezieltes Pusten bei Hunden nicht.
Im Wasser passiert etwas anderes. Sobald die Schnauze eintaucht, läuft die Ausatmung überwiegend über die Nase. Die Nasenöffnungen sind klein und können kurzzeitig Druck aufbauen. Der Hund stößt die Luft nicht gleichmäßig aus, sondern in kurzen Impulsen. Diese Luft trifft im Wasser auf hohen Widerstand und formt sich sofort zu Blasen.
Dazu kommt die Bewegung. Viele Dackel schnüffeln intensiv im Wasser, bewegen die Schnauze leicht, öffnen und schließen minimal das Maul und arbeiten mit der Zunge. Dadurch entstehen Strömungen, die kleine Luftmengen bündeln. Mehrere kleine Bläschen verbinden sich zu größeren, sichtbaren „Blubbern“.
Das Ergebnis wirkt wie bewusstes Pusten. In Wirklichkeit nutzt der Dackel ganz normale Atemmechanik, nur in einem Medium, das Luft sofort sichtbar macht. Genau diese Mischung aus Nasenausatmung, Druck und Wasserwiderstand erzeugt die typischen Blubberblasen.
Ich finde diese Sache jedenfalls total klasse! Blubberblasen konnte noch keiner meiner Hunde machen, bzw keiner meiner Hunde kam überhaupt auf diese Idee😀
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