
Also eigentlich war ich als Junghund von 6 oder 7 Monaten der Meinung, dass Spazierengehen eine ziemlich klare Sache ist, man geht raus, schnüffelt sich einmal durch die Nachrichtenlage, überprüft, wer seit gestern alles da war, und bewegt sich dabei ungefähr so, wie man das als Dackel für richtig hält
( und außerdem hatte ich gerade das Beinchen heben für mich entdeckt, was eine Mega coole Sache war und ich das eigentlich am liebsten andauend üben wollte)
Aber Daniela hat irgendwann beschlossen, dass da noch Luft nach oben ist, genauer gesagt nach vorne und wir eher was trainieren, was in ihren Augen mehr Sinn machte.
Am Anfang fing das alles harmlos an, sie sagte einfach „Lauf“, wenn sie die Leine abgenommen hatte und ich dachte mir, na gut, das kenne ich, das ist dieses Wort, nach dem ich loslaufen darf, nicht stehenbleiben soll und bitte auch nicht sofort in den nächstbesten Grashalm eintauchen, sondern mich tatsächlich bewege und das war für mich völlig in Ordnung, weil ich sowieso meistens Lust habe, ein Stück vorzugehen, mir die Welt von vorne anzuschauen und dabei so zu tun, als hätte ich alles im Griff. Manchmal wollte ich aber auch lieber nach hinten laufen und das war sowas von verboten, dass glaubt ihr gar nicht. Frauchen sprang dann sofort vor meine Nase und scheuchte mich nach vorne.
Begrenzen heißt das und das hat sie im Daggelbuch total gut beschrieben.
Gibt es hier zu kaufen: Das Daggelbuch Band 1 „Der Dackel“
Irgendwann wurde aus diesem Lauf aber mehr, denn Daniela fing an, Dinge irgendwo hinzulegen, manchmal Futter, manchmal meinen Ball, manchmal sogar ihren Handschuh, den ich persönlich für völlig unterschätzt halte, denn so ein Handschuh macht einfach Mega Laune, man kann ihn schütteln und hochwerfen und richtig dackelmässig damit eskalieren.
Das Merkwürdige war, dass ich diese Dinge oft ganz genau gesehen habe, sie also wirklich nicht heimlich verschwunden sind, sondern ziemlich offen an einem Baum, einem Busch oder am Wegesrand lagen und trotzdem durfte ich nicht sofort hin, sondern wir gingen erst einmal weg, manchmal nur ein paar Minuten, manchmal länger, und in dieser Zeit passierte alles Mögliche, nur nicht das, was ich erwartet hätte, denn ich balancierte über Baumstämme, bekam einen Keks, lief ein Stück im Wald, schnüffelte hier und da und vergaß dabei tatsächlich, warum dieser Ball oder Handschuh da hinten eigentlich so wichtig gewesen war.
Und genau dann, wenn das Ganze sich wieder nach normalem Spaziergang anfühlte, blieb Daniela stehen, atmete einmal hörbar ein und sagte dieses Wort, das inzwischen einen ganz eigenen Klang für mich hat, nämlich „Voran“, und ich kann gar nicht genau erklären, warum ich dann loslaufe, denn in diesem Moment habe ich den Ball oft nicht mehr vor Augen, sondern nur dieses Gefühl, dass es jetzt richtig ist, nach vorne zu gehen, schnell, gerade und ohne groß nachzudenken.
Das Lustige ist, dass ich mich manchmal erst unterwegs erinnere, also irgendwo auf halber Strecke, wenn mir plötzlich ein Geruch in die Nase steigt oder ein Bild wieder auftaucht, und dann denke ich, ach ja, stimmt, da war ja was, und ab diesem Moment wird aus dem Laufen ein richtiges Rennen, eines von der Sorte, bei dem man nicht bremst, sondern sich freut, dass man unterwegs ist.
Also ich freu mich dann richtig, gebe Hackengas und fühl mich wie ein Dackel auf Speed.
Daniela sagt dann oft, dass es genau darum geht, dass ich nicht schon am Start weiß, was mich erwartet, sondern dass ich lerne, ihrem Kommando zu vertrauen, auch wenn der Sinn gerade nicht offensichtlich ist, und ich glaube, sie hat damit gar nicht so unrecht, denn je öfter wir das machen, desto selbstverständlicher fühlt sich dieses Loslaufen an, ohne dass ich jedes Mal erst überprüfen muss, ob sich das lohnt.
Manchmal testet sie Dinge, die wir dann wieder lassen, zum Beispiel das Stoppen am Ende, was auf den ersten Blick ganz ordentlich aussieht, aber sich für mich irgendwie komisch anfühlt, weil ich dann langsamer werde, schiefer laufe und mehr überlege, als gut für mich ist, und Daniela merkt das sehr schnell, denn dann sagt sie nichts weiter, sondern macht es beim nächsten Mal wieder einfacher, schneller und klarer, und plötzlich fühlt sich alles wieder rund an.
Ich habe gelernt, dass sie beim Voran weniger Wert darauf legt, dass ich am Ende geschniegelt sitze oder liege, sondern dass ich mit Überzeugung laufe, und das ist mir ehrlich gesagt auch lieber, denn nichts ist anstrengender, als bei jedem Schritt zu überlegen, ob gleich wieder jemand pfeift.
Für die Begleithundeprüfung, welche wir damals ein paar Wochen später machten, reicht das völlig aus, sagte sie.
Ich glaubte ihr das, weil sie dabei so ruhig bleibt, und für mich reicht es sowieso, denn ich habe dabei gelernt, dass Laufen nicht nur Bewegung ist, sondern manchmal auch eine Entscheidung, die man trifft, ohne alle Antworten zu kennen, und dass das erstaunlich gut funktionieren kann. Es macht ja auch voll Spaß und wenn etwas Spaß macht, lerne ich natürlich extrem gern.
Wenn Daniela also das nächste Mal mit einem Ball wedelt, ihn irgendwo ablegt und dann einfach weitergeht, weiß ich inzwischen, dass das kein Versehen ist, sondern Teil eines Plans, der mir erst später klar wird, und auch wenn ich nicht immer sofort weiß, warum ich loslaufe, weiß ich doch ziemlich sicher, dass es sich lohnt.
Daniela hat ziemlich genau aufgeschrieben, wie sie mir das beigebracht hat:
Schritt für Schritt zum perfekten Voran
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